Pastorin betreut 14 Kirchen in 32 Dörfern: Alltag in MV
Pastorin betreut 14 Kirchen in 32 Dörfern

Johanna Levetzow ist Pastorin in Bützow und betreut allein 14 Kirchen in 32 Dörfern. Ihr Alltag besteht größtenteils aus Verwaltungsarbeit, und ehrenamtliche Helfer sind für die Gemeinde unverzichtbar – das ist Alltag in Mecklenburg-Vorpommern vor der Landtagswahl 2026.

Verwaltung statt Predigt

Statt in der Kirche ist die Bützower Pastorin Johanna Levetzow im Büro. Wie viele andere kämpft auch sie sich durch E-Mails, Verträge und Bauunterlagen. So hatte sie sich den Alltag einer Pastorin eigentlich nicht vorgestellt. „Offensichtlich hat der Beruf eines Pfarrers viel mehr mit Verwaltung zu tun, als ich dachte“, sagt sie.

Und sie hat noch Glück, denn anders als viele andere Pastoren im Land hat Johanna Levetzow eine angestellte Gemeindesekretärin, die hilft. Dennoch gibt es auch hier immer mehr Arbeit für weniger Schultern.

Kirche ohne Ehrenamt wäre tot

Auch der nächste Termin im Kalender der Pastorin hat an diesem Tag nur wenig mit Glauben zu tun. Es geht zu einer Bauberatung. In die Bützower Stiftskirche soll eine Teeküche eingebaut werden. Das sei nötig, denn die Nutzung von Kirchengebäuden ändert sich – weg vom bloßen Gottesdienst hin zu vielen anderen Formen von Veranstaltungen, sagt Johanna Levetzow.

Hier zeigt sich dann auch, welche Rolle Ehrenamtliche in der Kirchengemeinschaft spielen. „Eine gigantische“, wie die Pastorin betont. Ihre Kirchengemeinde würde ohne Ehrenamt nicht bestehen. Das reiche vom Blumenschmuck in der Kirche bis hin zum Fördermittelantrag. „Wenn nur wir im Dienst wären, wäre Kirche tot.“

Riesige Gemeinde, allein verantwortlich

Johanna Levetzows Kirchengemeinde ist riesig. Sie besteht aus 32 Dörfern und – nach mehreren Fusionen mit anderen Gemeinden – 14 Kirchengebäuden in einem Gebiet um Bützow. Im Moment ist Johanna Levetzow als Pastorin ganz allein für so viele Dörfer und für die Kleinstadt Bützow zuständig. Zu schaffen ist das nur mit der Unterstützung von Ehrenamtlichen, die sich um die vielen Dorfkirchen kümmern und schauen, dass alles in Ordnung ist.

In dieser Verantwortung, die Menschen aus ihrer Gemeinde freiwillig übernehmen, sieht die Pastorin einen entscheidenden Schlüssel: „Ich wünsche mir, dass wir uns hin und wieder klar machen, wie privilegiert wir eigentlich sind. Und dass wir nicht nur meckern, sondern selbst Verantwortung übernehmen.“ Für ein lebenswertes Leben auf dem Land sei das unerlässlich.

Staat und Engagement

Johanna Levetzow sieht die Verantwortung aber auch beim Staat, dessen Aufgabe es ihrer Ansicht nach ist, Infrastruktur, finanzielle Unterstützung und gleichwertige Lebensverhältnisse zu schaffen. Nachjustierungsbedarf gebe es da immer, weiß die Pastorin aus eigener Erfahrung. Doch wer immer nur auf den Staat schaue, mache es sich zu einfach, sagt sie.

Für Johanna Levetzow bildet die freiheitlich-demokratische Grundordnung das Fundament der Gesellschaft. Wenn diese Grundordnung bröckelt, wird es gefährlich, warnt die 43-Jährige. Es sei wichtig, sie zu schützen. Johanna Levetzow gibt viel dafür – und für ihre Kirchengemeinschaft. „Pastoren haben keine Arbeitszeitberechnung, das ist auch in Ordnung. In einer Kleinstadt ist man immer die Pastorin. Immer. Auch wenn man privat unterwegs ist.“

Sie schätzt den Austausch und wünscht ihn sich auch – so wie einen optimistischen Blick in die Zukunft und dass das Engagement auch gesehen wird. „Denn das wollen alle.“