Die Straßenbahnen in Rostock werden erst ab dem 13. September wieder fahren. Die Bauarbeiten auf der Großbaustelle am Werftdreieck verzögern sich um etwa drei Wochen. Ursache ist der hohe Grundwasserstand, der die Baugrube binnen Stunden in einen „Pool“ verwandelte.
Wasserprobleme auf der Baustelle
Seit Mitte Juli erneuert die Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) die Gleise auf dem rund einen Kilometer langen Abschnitt zwischen Holbeinplatz und Einfahrt Doberaner Straße. Auf Höhe der Überfahrt in die Doberaner Straße konnten die Arbeiten mit tagelanger Vollsperrung der L22 noch im Zeitplan abgeschlossen werden. Doch etwa auf halber Strecke zwischen Holbeinplatz und Maßmannstraße stellte der hohe Grundwasserstand die Bauarbeiter vor besondere Herausforderungen.
„Das Grundwasser schoss förmlich in die Baugrube“, schildert Jan Bleis, Vorstand Markt und Technik der RSAG. Bereits ab einer Tiefe von zwei Metern fing es an zu sprudeln. „Früher ist hier mal ein Bach geflossen“, ergänzt Martin Mantey, Teamleiter bei der RSAG.
Zusätzliche Maßnahmen erforderlich
Um die Tragfähigkeit für die Gleise herzustellen, mussten die Bauarbeiter viel Erde bewegen. Auf etwa 250 Metern wurde der Boden ausgetauscht und in etwa drei Metern Tiefe ein sogenanntes Geopolster als Tragschicht eingebracht. Schließlich rollen später tagtäglich die etwa 40 Tonnen schweren Trams über den Abschnitt mit rund 25.000 Fahrgästen täglich.
Etwa 40 bis 50 Bauarbeiter sind aktuell auf dem Abschnitt im Einsatz, die Bauleistung wurde verstärkt. Aktuell werden am einen Ende der Baustelle bereits die Gleise verlegt und die Haltestelle erneuert, während am anderen Ende noch Profilträger gesetzt werden.
Verzögerung von drei Wochen
Etwa drei Wochen, so schätzt Bleis, werden sich die Arbeiten verzögern. Rund 170 Meter Doppelgleis können an einem Tag verlegt werden, schätzt Martin Mantey. Aber selbst wenn diese liegen, könnten die Straßenbahnen noch nicht gleich wieder fahren. Zuerst müssten die einzelnen, jeweils 15 Meter langen Gleisabschnitte miteinander verschweißt werden. „Und die Oberleitung muss auch noch hergestellt werden“, sagt der RSAG-Teamleiter.
Das alles soll bis 12. September erfolgt sein, so dass die ersten Bahnen ab 13. September ungehindert fahren können. Aktuell ist das Straßenbahnnetz zwischen Doberaner Platz und RSAG-Betriebshof in der Hamburger Straße gekappt und so in zwei Teile geteilt.
Schienenersatzverkehr bleibt
Aufgrund der Bauverzögerungen wird der Schienenersatzverkehr mit den Linien E1 und E2 unverändert fortgeführt. „Das hat sich gut eingespielt“, sagt Jan Bleis. Auch während der Hanse Sail habe es gut funktioniert. Für den Schülerverkehr, der mit Beginn des neuen Schuljahres am 24. August wieder startet, solle die Taktung verdichtet. Außerdem sollen die betroffenen Schulen informiert werden. „Wir sind frohen Mutes, dass es kein Chaos geben wird“, zeigt sich Jan Bleis optimistisch.
Wie sich die Bauverzögerungen auf die Kosten des Großvorhabens auswirken werden, kann Bleis noch nicht benennen. Etwa fünf Millionen Euro investiert das Verkehrsunternehmen in die Maßnahme - so der Stand vor der Bauverzögerung.