Archäologisches Landesmuseum Rostock: Posse um Neubau geht weiter
Archäologisches Landesmuseum: Posse um Neubau geht weiter

Die Entscheidung über den Standort des Archäologischen Landesmuseums in Rostock ist erneut verschoben worden. Das Finanzministerium teilt mit, die Prüfung sei noch nicht abgeschlossen. Ein konkreter Termin für die Entscheidung oder einen möglichen Baubeginn könne derzeit nicht genannt werden. Damit wird sich in diesem Jahr am Stadthafen nichts mehr bewegen, wie auch Rostocks Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger bestätigt.

Alternativen werden geprüft

Ursprünglich war geplant, den Neubau an der Warnow zu errichten. Doch nun werden auch Alternativen wie das sanierungsbedürftige Gebäude der Societät in der August-Bebel-Straße geprüft. Finanzminister Heiko Geue hatte im März im Landtag von einer "zeitnahen" Entscheidung gesprochen, doch daraus ist vorerst nichts geworden.

Die Kosten für das Projekt sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Statt der ursprünglich veranschlagten 55 Millionen Euro wird nun mit mehr als 85 Millionen Euro gerechnet. Die Hansestadt Rostock hatte sich mit 15 Millionen Euro beteiligt, doch die Mehrheit der Kommunalpolitiker bevorzugt inzwischen die Societät.

Freundeskreis fordert Klarheit

Der Freundeskreis Archäologisches Landesmuseum macht weiterhin Druck. Der stellvertretende Vorsitzende Carsten Schmoldt betont: "Da sind Millionen und Milliarden an Funden in Depots." Das Land habe von den Funden aber nichts, weder touristisch noch für die Einwohner. Er fragt sich, warum die Stadt sich nicht für das Museum einsetze, obwohl sie die Kosten nicht tragen müsse.

Die Oberbürgermeisterin Kröger sieht das Land in der Pflicht: "Das Land hat den Hut auf." Man bleibe bei den Zusagen, aber die Landesregierung müsse entscheiden, ob das Museum am Stadthafen oder in der Societät gebaut werde.

Kritik am Architekturentwurf

Der Entwurf der dänischen Architekten Lundgaard & Tranberg, der 2022 den Wettbewerb gewann, kommt in Rostock nicht überall gut an. Viele Bürger und Bürgerschaftsmitglieder seien überrascht gewesen, so Kröger. "Mit dem Architekturentwurf sind viele bis heute nicht richtig warm geworden."

Die SPD, Die Linke, die CDU und die FDP äußern sich unterschiedlich, sehen aber alle die Societät als ernsthafte Option. Die Hansefraktion hält eine Beteiligung der Kommune für eine zu starke finanzielle Belastung und empfiehlt, die Kooperationsvereinbarung zu kündigen.

Sollte das Museum nicht gebaut werden, wäre das eine große vertane Chance, so Schmoldt. "Aber man kann nicht über Jahrzehnte hinweg sagen, wir stehen dazu und geben Millionen aus. Und am Ende prüfen wir nochmal und wir prüfen und wir prüfen. Das ist nicht glaubwürdig."