Mit erheblichen Sicherheitsvorkehrungen hat am Mittwoch am Landgericht Rostock der Prozess gegen ein mutmaßliches Drogenschmuggler-Paar begonnen. Die 67-jährige Frau und ihr 59-jähriger Mann, beide aus einem Dorf bei Rostock, sollen vor einem Jahr mit ihrer Segeljacht aus Kolumbien kommend im Atlantik gefasst worden sein. Ihnen drohen bis zu 15 Jahre Haft.
Anklage: Mehr als 260 Kilogramm Kokain an Bord
„Sie hatten mehr als 260 Kilogramm Kokain an Bord“, sagte Olrik Popiolik als Vertreter der Staatsanwaltschaft bei der Anklageverlesung. Die Angeklagten wurden getrennt und begleitet von JVA-Beamten in den Saal geführt. Vier maskierte und bewaffnete Elite-Polizisten postierten sich an den Seiten des Saales.
Die Angeklagten gelten laut Anklage als „äußerst gefährdet“. Die 67-Jährige schluchzte beim Betreten des Saals und hielt sich einen Aktenordner vor das Gesicht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Paar „Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in großem Stil“ vor.
Jacht für 200.000 Euro bar gekauft
Im Juli 2024 hatten sie eine 14-Meter-Jacht in Greifswald für rund 200.000 Euro gekauft. „Das wurde bar bezahlt“, sagt Popiolek. Ziel war es laut Ermittlungen, Drogen in Südamerika zu holen und auf dem europäischen und deutschen Markt zu verkaufen.
Das Paar startete in Rostock, fuhr über Spanien und Portugal nach Südamerika und war im März 2025 in Cartagena in Kolumbien. Die Jacht hieß nun „Target (Ziel)“ und war auf den Namen der Frau zugelassen. Nach einer Flugreise nach Deutschland kehrte das Paar im Sommer 2025 wieder nach Kolumbien zurück. Nach Informationen des Nordkurier waren die beiden den Behörden bereits wegen Drogendelikten bekannt.
264 Kilogramm Kokain vor den Azoren gefunden
Im August 2025 wurde das Schiff vor den Azoren angehalten und durchsucht. Gefunden wurden in diversen Verstecken Päckchen mit rund 264 Kilogramm Kokain. Den Wert schätzt die Anklage auf 15 bis 20 Millionen Euro. „Dieses Kokain wird aber nicht nach Deutschland kommen, es ist noch in Portugal“, sagt der Staatsanwalt. Das Kokain und die Jacht sollen eingezogen werden. „Es ist das 39.800-fache des Grenzwertes zu einer geringen Menge“, erläutert der Staatsanwalt. Es sei die größte Menge Kokain, die je mit Bezug zu Mecklenburg-Vorpommern beschlagnahmt wurde.
Die Angeklagten sitzen seit der Festnahme in Untersuchungshaft und wurden für den Prozess nach Bützow verlegt. Da sie ihren Auftraggebern das Geld vermutlich schuldig geblieben sind, gelten sie als „äußerst gefährdet“.
Verteidiger kündigen Äußerungen an
Am ersten Prozesstag teilten die Verteidiger mit, dass sich beide Angeklagte zu den Vorwürfen äußern wollen, aber nicht sofort. Zunächst soll die Beweisaufnahme beginnen. Dazu sollen ein portugiesischer Beamter per Video zugeschaltet und Beamte der Kriminalpolizei gehört werden.
Nach Informationen des Nordkurier hat sich der 59-jährige Mann, ein Mechaniker von Beruf, im Ermittlungsverfahren geständig geäußert. Die Frau hat bisher wohl nichts gesagt. Richter Tilman Finke gab bekannt, dass das Paar eventuell auch wegen „Besitz von Drogen“ in größerem Stil oder nur wegen „Beihilfe zum Betäubungsmittelhandel“ bestraft werden könnte.
Für den Prozess sind bisher 13 Verhandlungstage bis Mitte Oktober geplant. Eine fehlende Schöffin sorgte zu Beginn für eine Verspätung von etwa zweieinhalb Stunden. Nach etwa 45 Minuten wurde die Verhandlung unterbrochen. Auch das Bundeskriminalamt war in die Ermittlungen einbezogen. Die Jacht wurde in den Hafen von Ponta Delgada auf der Azoren-Insel San Miguel geschleppt, die etwa sieben Flugstunden von Berlin entfernt liegt.