1000. Geburt am Südstadtklinikum: Frühchen Ryszard kämpft sich ins Leben
1000. Geburt am Südstadtklinikum: Frühchen Ryszard kämpft

Mit gerade einmal 630 Gramm und 34 Zentimetern kam Baby Ryszard am 14. Juli im Klinikum Südstadt Rostock zur Welt – als 1000. Geburt dieses Jahres an der Universitätsfrauenklinik. Knapp 30 Tage später wiegt er bereits 900 Gramm, ist stabil und nimmt kontinuierlich zu.

Känguruhen stärkt Bindung und Entwicklung

Hinter Mutter Martyna D. und Vater Marcin liegen Wochen voller Sorgen, Ängste und Hoffen. Heute überwiege die Zuversicht, informiert die Südstadtklinik. Die 33-jährige Mutter, die im polnischen Stettin geboren wurde und zusammen mit dem 39 Jahre alten Vater seit 2017 bei Rostock lebt und arbeitet, verbringt täglich viel Zeit mit ihrem Sohn – unter anderem beim sogenannten Känguruhen: Das Frühgeborene liegt dabei mit direktem Hautkontakt auf der Brust des Elternteils. Diese Nähe unterstützt laut den Experten nicht nur die Bindung, sondern fördert auch die körperliche Entwicklung und Stabilität von Frühchen.

Schon während der Schwangerschaft war klar, dass Ryszard möglicherweise sehr viel früher zur Welt kommen würde. „Leider kam es während der Schwangerschaft zu Komplikationen bei Mutter und Kind. Gemeinsam mit den Fachärzten der Neonatologie ist es uns gelungen, die Geburt um drei wichtige Wochen bis zur 26. Schwangerschaftswoche hinauszuzögern“, sagt Dr. Kerstin Hagen, Oberärztin im Kreißsaal, die die Geburt begleitete. Denn bei einem so unreifen Kind ist jeder zusätzliche Tag im Mutterleib von großer Bedeutung.

Geburt in „natürlichem Airbag“

Als die Entbindung schließlich per Kaiserschnitt notwendig wurde, erfolgte dies als sogenannte En-caul-Geburt: Ryszard wurde in der intakten Fruchtblase geholt. „Sie wirkte dabei gewissermaßen wie ein natürlicher Airbag und schützte den kleinen Körper beim Weg ins Leben“, erklärt Dr. Kerstin Hagen.

Zwar entwickele sich Ryszard gut, dennoch liegen vor ihm und Mutter Martyna noch mehrere Wochen Klinikaufenthalt. Der kleine Patient, dessen errechneter Geburtstermin noch nicht erreicht ist, wird weiterhin auf der Neonatologie des Klinikums Südstadt rund um die Uhr betreut. Er erhält Muttermilch und braucht Atemunterstützung. Ryszard sei ein großer Kämpfer, sagt Dr. Ralf Jürgensen, Leitender Oberarzt der Klinik für Neonatologie. „Er ist sehr stabil, wächst gut und wir sind mit seiner bisherigen Entwicklung zufrieden.“

Spezialisierte Frühchenmedizin

Das Perinatalzentrum Level I in Rostock, dem größten in Mecklenburg-Vorpommern, ist auf die Versorgung extrem unreifer Frühgeborener spezialisiert. Nach Klinikangaben werden Mutter und Kind von Anfang an gemeinsam und interdisziplinär betreut.

Wie wichtig die spezialisierte Frühgeborenenmedizin ist, zeigen die Zahlen: Vom 1. Januar bis 31. Juli betreute das Klinikum Südstadt 89 Frühchen, die vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren wurden. 22 Kinder wogen weniger als 1500 Gramm, 21 weniger als 1250 Gramm. Neun Kinder kamen mit unter 1000 Gramm zur Welt, sieben mit weniger als 750 Gramm, zwei wogen sogar unter 500 Gramm. Das bislang leichteste Kind des Jahres war laut Klinikangaben ein Junge, geboren in der Schwangerschaftswoche 26+4 mit 435 Gramm. Er wurde inzwischen aus der Klinik zu seiner Familie nach Hause entlassen.

„Diese Kinder brauchen hochspezialisierte Medizin, aber ebenso Zeit, Ruhe und ganz viel Nähe zu ihren Eltern“, so der erfahrene Neonatologe. Gerade bei den Kleinsten zeige sich, wie wichtig das Zusammenspiel von Geburtshilfe, Neonatologie und einer familienorientierten Betreuung sei, so Dr. Ralf Jürgensen.

Bis zum 11. August gab es an der Universitätsfrauenklinik insgesamt 1144 Geburten mit 1185 Kindern, darunter 41 Zwillingsgeburten. 605 Jungen und 580 Mädchen wurden geboren. Das bisher schwerste Neugeborene war ein Mädchen mit 5560 Gramm. Im Vorjahr wurde die 1000er-Marke etwas früher erreicht: Die 1001. Geburt wurde am 8. Juli 2025 mit den Zwillingen Mona Emma und Noah Malte verzeichnet. Insgesamt gab es 2025 in der größten Geburtsklinik in MV 1947 Geburten mit 1997 Neugeborenen, darunter 50 Zwillingspaare.