Nach der Hanse Sail und der Warnemünder Woche ziehen die Geschäfte im Ostseebad Warnemünde eine gemischte Bilanz. Tausende Besucher füllten die Straßen, doch von den Kreuzfahrtgästen erwarten die Händler keine Kaufwunder. Einige Läden berichten von stabilen Umsätzen, andere spüren eine Konkurrenz durch die regelmäßigen Märkte.
Geschäfte am Alten Strom: Stabilität trotz Kreuzfahrt-Flaute
Ramona Goitzsch vom Ostseebär-Shop am Alten Strom sagt: „Das Geschäft läuft gut.“ Der Laden bietet Fruchtgummi in vielen Sorten an, von Pfirsich bis zu veganem Holunder-Rhabarbar. Die Kundschaft sei gemischt: „Einheimische, Urlauber – auch Passagiere von Kreuzfahrtschiffen schauen gelegentlich vorbei.“ Begeisterung klingt anders.
Auch der Plattenladen Coaast TMP in der Nähe des Leuchtturms verzeichnet eine stabile Lage. Kreuzfahrtgäste machen auch hier nur einen kleinen Teil der Kundschaft aus. Inhaber Andreas „Doc“ Buhse sagt: „Wichtiger für unser Geschäft sind Besucher aus Berlin und Sachsen.“ Einmal hätten Besatzungsmitglieder aus Mexiko bei ihm vorbeigeschaut: „Die wollten unbedingt Krautrock.“ Sie bekamen ihn, wie auch Kunden, die in diesem Sommer Rock aus den 70er- und 80er-Jahren suchen.
Bernsteingalerie: Ruhigeres Jahr, Events als starke Verkaufstage
Direkt neben dem Plattenladen befindet sich die Bernsteingalerie, geführt von der Polin Edyta Mullack. Ihre Tochter Michelle Bunk arbeitet mit. Sie sagt: „Es ist spürbar ruhiger in diesem Jahr, gerade im Vergleich zu 2025.“ Die beiden Großevents Warnemünder Woche und Hanse Sail seien allerdings starke Verkaufstage gewesen. Zu den Kreuzfahrtgästen kann sie nichts sagen.
Wenig glücklich ist Bunk mit den regelmäßig stattfindenden Märkten im Seebad: „Das ist schon eine Konkurrenz.“ Besonders gut laufen „Magnete mit echtem Bernstein, Schmuck mit Strandfunden sowie Ohrringe und Ringe“. Dazu kommen typische Warnemünde-Motive wie Leuchtturm und Teepott.
Modeladen und DEHOGA: Ernüchternde Kreuzfahrtbilanz
Im Modeladen „Scandic – way of Life“ am Alten Strom fällt die Bilanz ebenfalls ernüchternd aus. Eine Mitarbeiterin sagt: „Die Gäste der Schiffe bringen dem Laden nicht so viel.“ Der Grund: Sie bleiben meist nicht lange genug im Seebad. Auch hier sorgen Hanse Sail und Warnemünder Woche für zusätzliche Besucher und real mehr Kundschaft.
Damit bestätigt sich, was der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) in Mecklenburg-Vorpommern, Lars Schwarz, bereits im Juli sagte: „Kreuzfahrtschiffe bringen bislang nur in geringem Umfang direkte Einnahmen für das Gastgewerbe.“ Das sei „homöopathisch“. Die meisten Passagiere nutzten Häfen wie Warnemünde vor allem als Ein- oder Ausstiegsort.