Mit martialischen Sicherheitsvorkehrungen hat am Mittwoch am Rostocker Landgericht der Prozess gegen ein mutmaßliches Drogenschmugglerpaar begonnen. Die 67-jährige Frau und ihr 59-jähriger Mann, beide aus einem Dorf bei Rostock, sollen mit ihrer Segeljacht mehr als 260 Kilogramm Kokain aus Kolumbien nach Europa transportiert haben. Vor dem Saal postierten sich schwer bewaffnete Elite-Polizisten, die Angeklagten trugen schusssichere Westen und Fußfesseln.
Vorwurf: Handel mit Kokain in großem Stil
„Sie hatten mehr als 260 Kilogramm Kokain an Bord“, sagte Olrik Popiolik als Vertreter der Staatsanwaltschaft bei der Anklageverlesung. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Paar „Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in großem Stil“ vor. Die beiden waren im August 2025 vor den Azoren gestoppt worden, nachdem sie mit ihrer Jacht von Kolumbien aus gestartet waren. Die Beamten fanden in diversen Verstecken Päckchen mit rund 264 Kilogramm Kokain.
Jacht bar bezahlt, Ziel: Drogenmarkt in Europa
Laut Anklage hatte das Paar im Juli 2024 eine 14-Meter-Jacht in Greifswald für rund 200 000 Euro gekauft. „Das wurde bar bezahlt“, so Popiolik. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Drogen in Südamerika geholt und auf dem europäischen und deutschen Markt verkauft werden sollten. Die Route führte über Spanien und Portugal nach Cartagena in Kolumbien. Die Jacht war auf den Namen der Frau zugelassen und trug nun den Namen „Target“ (Ziel).
Größte Kokainmenge mit Bezug zu MV
Den Wert der Drogen schätzt die Anklage auf 15 bis 20 Millionen Euro. „Dieses Kokain wird aber nicht nach Deutschland kommen, es ist noch in Portugal“, sagte der Staatsanwalt. Das Kokain soll ebenso wie die Jacht eingezogen werden. „Es ist das 39 800-fache des Grenzwertes zu einer geringen Menge“, erläuterte Popiolik. Es handle sich um die größte Menge Kokain, die je mit Bezug zu Mecklenburg-Vorpommern beschlagnahmt wurde.
Angeklagte gelten als „äußerst gefährdet“
Den Angeklagten drohen bis zu 15 Jahre Haft. Sie sitzen seit der Festnahme in Untersuchungshaft und wurden für den Prozess nach Bützow verlegt. Da sie ihren Auftraggebern, denen die Ermittler noch auf die Spur kommen wollen, das Geld vermutlich schuldig geblieben sind, gelten sie als „äußerst gefährdet“. Die 67-Jährige schluchzte, als sie den Saal betrat und hielt sich einen Aktenordner vor das Gesicht.
Prozessstart verzögert, Beweisaufnahme beginnt
Zum Auftakt sorgte eine fehlende Schöffin für eine stundenlange Verzögerung. Das Verfahren konnte erst mit etwa zweieinhalb Stunden Verspätung gegen Mittag beginnen. Nach etwa 45 Minuten wurde die Sitzung unterbrochen, die Angeklagten wurden getrennt weggeführt. Ihre Verteidiger kündigten an, dass sich beide zu den Vorwürfen äußern wollen, aber nicht sofort. Zunächst soll die Beweisaufnahme beginnen, unter anderem mit der Vernehmung eines portugiesischen Beamten per Video sowie Beamten der Kriminalpolizei. Laut Informationen des Nordkurier hat sich der 59-jährige Mann, ein Mechaniker, im Ermittlungsverfahren bereits geständig geäußert, die Frau dagegen bisher geschwiegen. Richter Tilman Finke gab bekannt, dass das Paar möglicherweise auch wegen „Besitz von Drogen“ in größerem Stil oder nur wegen „Beihilfe zum Betäubungsmittelhandel“ verurteilt werden könnte. Für den Prozess sind 13 Verhandlungstage bis Mitte Oktober geplant.