In Mecklenburg-Vorpommern schrumpft die Schweinehaltung dramatisch. Seit 1991 ist der Schweinebestand im Land um 49 Prozent zurückgegangen, bei den Zuchtsauen sogar um 61 Prozent. Der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern warnt vor einem weiteren Ausbluten der Tierhaltung und fordert Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) zu einem politischen Kurswechsel auf.
Rinder- und Milchkuhbestand schrumpfen seit 1991 drastisch
Auch der Rinderbestand ist seit 1991 um 39 Prozent gesunken, die Zahl der Milchkühe um 41 Prozent. Für den Bauernverband geht damit nicht nur Tierhaltung verloren, sondern ein Stück regionaler Wertschöpfung. Denn wo Schweine und Rinder verschwinden, verschwinden langfristig auch Futteranbau, Arbeitsplätze, Schlachtstrukturen und andere Teile der Wertschöpfungskette.
Dabei ist die Schweinehaltung derzeit ohnehin unter Druck. Erst Ende Juli sorgte die Insolvenz der Geestferkel GmbH für ein weiteres Alarmsignal. Der große Ferkelerzeuger mit 188 Beschäftigten hatte wegen stark gestiegener Kosten und gesunkener Erlöse Insolvenz angemeldet. Auch Standorte in Mecklenburg-Vorpommern sind betroffen.
Bürokratie bremst Investitionen der Landwirte
Bei der Sitzung des Landesvorstandes am Mittwoch, an der die Ministerpräsidentin als Gast teilnahm, machte der Verband deutlich, dass es aus seiner Sicht längst nicht am Willen der Landwirte fehlt. Vielmehr würden langwierige Genehmigungsverfahren, unterschiedliche Auslegungen in den Behörden und immer neue Vorgaben Investitionen ausbremsen.
„Diese rückläufigen Tierzahlen sind ein deutliches Warnsignal. Wenn wir die Tierhaltung erhalten wollen, dürfen wir den Betrieben nicht immer neue Steine in den Weg legen. Wir brauchen endlich politische Rahmenbedingungen, die Investitionen ermöglichen, statt sie auszubremsen. Tierhaltung bedeutet regionale Wertschöpfung, Versorgungssicherheit und lebendige ländliche Räume. Dafür müssen jetzt die richtigen Entscheidungen getroffen werden“, sagte Bauernpräsident Karsten Trunk.
Nutztierstrategie: Lücke zwischen Zielen und Praxis
Clara Tobaben, Referentin für Tierhaltung beim Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern, sieht ebenfalls eine Lücke zwischen politischen Zielen und dem, was tatsächlich in den Ställen ankommt. Die Nutztierstrategie des Landes beschreibe die Probleme zwar zutreffend, konkrete Verbesserungen für die Betriebe seien bislang aber ausgeblieben.
„Die Nutztierstrategie formuliert die richtigen Ziele. Entscheidend ist jetzt ihre Umsetzung. Solange Genehmigungen Jahre dauern und vergleichbare Vorhaben je nach Landkreis unterschiedlich bewertet werden, kommen die angekündigten Verbesserungen in den Betrieben nicht an. Die Landwirte brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, damit notwendige Investitionen endlich umgesetzt werden können“, sagte Clara Tobaben.
Der Verband fordert deshalb schnellere Genehmigungen, landesweit einheitliche Standards und einen Bestandsschutz von mindestens 20 Jahren für genehmigte Tierhaltungsanlagen. Außerdem sollen die Brandschutzrichtlinien praxisgerechter gestaltet und die Tierkörperbeseitigung dauerhaft vom Land mitfinanziert werden. Weitere Themen des Gesprächs waren die Schlachthofstruktur, die Wiedervernässung, das Wolfsmanagement und die Auswirkungen der TA Luft auf tierhaltende Betriebe.
„Die Nutztierstrategie muss jetzt beweisen, dass sie mehr ist als ein politisches Bekenntnis. Entscheidend ist, ob Landwirte wieder bereit sind, in ihre Ställe zu investieren und ob Mecklenburg-Vorpommern seine Tierhaltung als Grundlage regionaler Wertschöpfung dauerhaft sichern kann. Daran wird sich der Erfolg der Landespolitik messen lassen“, sagte Karsten Trunk abschließend.