Mordfall Fabian: Förster widerspricht Angeklagter
Mordfall Fabian: Förster widerspricht Angeklagter

Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian vor dem Landgericht Rostock hat ein Förster die Angaben der Angeklagten zu ihrem Spaziergang am Tattag in Frage gestellt. Zudem muss das Gericht auf einen wichtigen Zeugen verzichten.

Großvater schweigt

Der Großvater der Angeklagten, bei dem die 30-Jährige aufgewachsen ist und zuletzt auch länger lebte, hat von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht, teilte der Sprecher des Landgerichtes am Donnerstag in Rostock mit. Der Senior kann daher nicht als Zeuge gehört werden, obwohl dies für diesen Freitag geplant war. Auf dem Hof der Großeltern in Reimershagen wurde Gina H. Anfang November 2025 verhaftet. Dort hält sie ihre Pferde und Ponys, dort wuchs sie mit einer Schwester zusammen auf.

Foto zeigt anderen Ort

Am Donnerstag sagte zu Beginn Förster Frank Keil im Prozess aus, dass er sich am mutmaßlichen Tattag, dem 10. Oktober 2025, gegen 11.00 Uhr bei Groß Breesen mit dem Vater von Fabian wegen eines Holzeinschlages getroffen hatte. Dies habe aber nur etwa eine Viertelstunde gedauert. Zur gleichen Zeit soll die angeklagte Gina H. in einem Waldstück südlich von Klein Upahl spazieren gewesen sein. An einem abgelegenen Wasserloch auf einem Feld etwas weiter südwestlich dieses Dorfes war Fabians angebrannte Leiche am 14. Oktober gefunden worden. Zwischen 10.50 Uhr und etwa 12.30 Uhr soll Fabian an jenem 10. Oktober dort laut Anklage getötet worden sein.

Das Spaziergangsfoto, das die Angeklagte dazu am 10. Oktober über ihr Smartphone verschickte, zeige eine Stelle in seinem Forstgebiet, sagte der Förster. Die Stelle, ein Weg durch Buchen- und Kiefernmischwald, liege etwa eine halbe Fahrstunde vom mutmaßlichen Tatort entfernt, so Keil als Zeuge. Die Angeklagte hatte bisher einen anderen, weiter entfernten Ort für ihren angeblichen Spaziergang mit Hund zu dieser Zeit genannt.

Vorwurf: heimtückischer Mord

Der 30-Jährigen wird von der Staatsanwaltschaft heimtückischer Mord an Fabian vorgeworfen. Sie soll den Jungen am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung in Güstrow abgeholt und ihn an dem Tümpel bei Klein Upahl, etwa 15 Kilometer südwestlich von Güstrow, mit mehreren Messerstichen getötet haben. Die Angeklagte schweigt vor Gericht bisher dazu, nach Angaben ihrer Anwälte bestreitet sie die Tat aber.

Gina H. war bis Sommer 2025 vier Jahre lang die Freundin des Vaters von Fabian. Nach teils sehr heftigen Streitigkeiten hatte sich der Metallbauer im August von der jetzt angeklagten Pferdesportlerin getrennt, weil er sich sehr stark vereinnahmt fühlte und unter anderem mehr Zeit für Fabian haben wollte. Diese Trennung wollte Gina H. laut Anklage nicht akzeptieren, wie unzählige Sprachnachrichten belegen.

Weitere Zeugen geplant

Für den Prozess sind bisher noch sieben Verhandlungstage bis 10. September geplant. Am 24. August will sich die Angeklagte erstmals äußern. An diesem Freitag, dem 7. August, sollen unter anderem eine Oma des Jungen sowie Angestellte des Jugendamtes gehört werden. Für die Angestellten des Jugendamtes gelten laut Landgericht besondere Sicherheitsbedingungen, vor allem wegen des tödlichen Schussvorfalls in Stade, wo vor wenigen Wochen erst sechs Mitarbeiter eines solchen Amtes getötet wurden.