Neue Ermittlungen im Fabian-Prozess: Schüler-Aussagen könnten Angeklagte entlasten
Neue Ermittlungen im Fabian-Prozess nach Schüler-Aussagen

Im Prozess um den Mord an dem elfjährigen Fabian aus Güstrow hat das Landgericht Rostock am Donnerstag neue Ermittlungen angeordnet. Zwei Mitschüler des getöteten Jungen hatten am vorherigen Verhandlungstag ausgesagt, sie hätten Fabian am 10. Oktober 2025 kurz nach Mittag noch mit dem Fahrrad in Güstrow gesehen. Diese Aussagen könnten die Angeklagte Gina H. entlasten und widersprechen in einem zentralen Punkt der Anklage der Staatsanwaltschaft.

Gericht ordnet weitere Ermittlungen an

Die Kammer um Richter Holger Schütt hat zusätzliche Ermittlungen im Umfeld der Schule eingeleitet, wie Schütt am Donnerstag sagte. Das gebiete die Aufklärungspflicht. Auch der verantwortliche Hortbetreuer der Schule soll erneut als Zeuge gehört werden. Die Verteidiger der angeklagten Gina H. regten an, auch die Eltern der Kinder als Zeugen zu vernehmen.

Testfahrt mit dem Handy der Angeklagten

Ein Polizist stellte am Donnerstag außerdem die Ergebnisse einer Testfahrt mit dem Handy der Angeklagten vor. Die Beamten fuhren von einem See, der im Herbst 2025 als Treffpunkt der Frau mit einem Bekannten diente, einmal zu ihrem Wohnort in Reimershagen und einmal zum Fundort der Leiche, einem Tümpel bei Klein Upahl. Die erste Fahrt dauerte sechs Minuten, die zweite etwa 14 Minuten.

Während der Fahrt am 2. September zeigte das Handy mal „Vehicle“ (Fahrzeug), mal „Stationary“ (Halten) oder auch mal „Walk“ – für Gehen – an. Bei „Gehen“ seien aber Bodenwellen in der Straße daran schuld gewesen, hieß es. Insgesamt sei festzustellen, dass die Daten aus dem Handy allein „schwer zu interpretieren“ seien. Dazu brauche es ergänzende Indizien, wie Zeugenaussagen oder anderes.

Panne bei der Testfahrt

Die Polizeifahrt war allerdings von einer Panne überschattet. Die Polizei hatte extra ein geländegängiges Fahrzeug organisiert, das dem auffälligen orangenen Ford Ranger der Angeklagten ähnelte. Als die Testfahrt losgehen sollte, hatte der Polizei-Geländewagen allerdings einen schweren technischen Defekt. Deshalb musste auf einen Audi ausgewichen werden.

Befragung der Angeklagten beginnt

Ab Mittag wollte das Landgericht Rostock dann die Angeklagte Gina H. zum ersten Mal befragen. Sie will nach den Worten ihrer Verteidiger auch antworten. Diese Befragung könnte auch noch auf den 15. September ausgedehnt werden, sagte der Richter.

Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. „heimtückischen Mord“ an Fabian vor, der der Sohn des ehemaligen Lebensgefährten der Angeklagten war. Dieser hatte sich im August 2025 von Gina H. getrennt. Laut Anklage soll den Mordvorwurf eine „Indizienkette“ belegen. Die Pferdesportlerin bestreitet das aber vehement.

Laut Staatsanwaltschaft soll die Frau den Jungen am Freitagvormittag, dem 10. Oktober, von der Wohnung seiner Mutter in Güstrow abgeholt haben, wo er wegen gesundheitlicher Probleme allein war und nicht in der Schule. Woher die Angeklagte das gewusst haben soll, ist bisher aber unklar. Fabian wurde vermutlich am späten Vormittag des 10. Oktober erstochen, vermutet die Staatsanwaltschaft. Seine Leiche wurde in Brand gesetzt. Die Polizei fand die Überreste des Jungen am 14. April an dem abgelegenen Tümpel zwischen Reimershagen und Klein Upahl. Eine Tatwaffe wurde nicht gefunden.