Das achte „Wasted in Jarmen“ ist Geschichte: Trotz schlechten Wetters und damit verbundener Probleme haben tausende Gäste aus nah und fern zwei Tage lang das Festival gefeiert. Die Fortsetzung steht bereits fest – am 3. und 4. September 2027.
Vom Einmal-Projekt zum größten Festival der Region
Ursprünglich sollte das Festival einmalig bleiben. Die Punkrockband Feine Sahne Fischfilet (FSF), deren Wurzeln in der Region liegen, initiierte die Premiere 2016 im Rahmen der Kampagne „Noch nicht komplett im Arsch“ unmittelbar vor den Landtagswahlen. Damals beschränkte sich das Event auf das Motoball-Gelände am Westrand der Stadt und dauerte nur vom Nachmittag bis in den Abend.
Die Begeisterung aller Beteiligten führte jedoch Ende des folgenden Sommers zu einer Fortsetzung, aus der sich das größte Festival im Peene- und Tollensetal entwickelte. Nach einer auch durch die Corona-Pandemie bedingten Pause gab es 2023 einen Neustart. Seither hat das „Wasted in Jarmen“ den verhältnismäßig kleinen Ort, dessen Name es trägt und der Inhalt eines FSF-Songs ist, weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannt gemacht – sogar bis auf andere Kontinente. Auch der benachbarte Zarrenthiner Kiessee in der Gemeinde Bentzin ist heute fest ins Veranstaltungskonzept eingebunden, ebenso wie sämtliche Jarmener Sportplätze.
Premieren und prominente Gäste
Das Rapper-Duo Hinterlandgang, bestehend aus Pablo Himmelsbach und Albert Münzberg, stammt aus einem nahen Dorf und begann als Schüler. Heute organisieren sie eigene Festivals, zuletzt in Demmin. „Wer hätte gedacht, dass wir es mal von der Palette auf die Hauptbühne schaffen“, meinte Pablo Himmelsbach, als das Duo den Konzertabend des zweiten Tages eröffnete. Nach ihnen folgten unter anderem Swiss & die Andern aus Hamburg, mit denen FSF gerade den Song „Unsolides Umfeld“ samt Video mit Bildern aus Vorpommern produziert hat. In Jarmen präsentierten beide Bands das Stück erstmals gemeinsam.
Mit Bastian Bielendorfer schaute ein fernsehbekannter Comedian vorbei. Statt einer Gage gab sich der Mann mit Eintrittskarten für den Freundeskreis zufrieden und äußerte große Begeisterung für das „Wasted“ und die Stimmung dort. Er scheute weder nächtliche Tischtennisduelle in der „Biberburg“ noch die unzähligen Selfies mit Fans.
Emotionaler Moment mit Zeitzeuge
Der bei seinem Heimspiel omnipräsente Fischfilet-Frontmann Jan „Monchi“ Gorkow nutzte die Gelegenheit, um Hintergründe zu seinen beiden Büchern zu vermitteln. Am emotionalsten gestaltete sich für ihn 2026 die Begegnung mit einem Hundertjährigen – Andrej Iwanowitsch Moiseenko aus Minsk, einer der letzten Überlebenden des KZ Buchenwald. Die Band hatte den bekennenden Punkrock-Fan nach Deutschland eingeladen. In Jarmen absolvierte er eine Fragestunde und stand am Freitagabend für ein Lied mit ihnen auf der großen Bühne.
Der neu gegründete Braukultur-Verein aus der Peenestadt und Umgebung nutzte die Chance, sich weit über die Region hinaus bekannt zu machen. Er schenkte gut 200 Liter seiner jüngsten Charge von „Des Bibers Helles“ aus, mit dabei MV-Wirtschaftsminister Wolfgang Blank – eine zusätzliche Premiere. Eröffnet hatte das musikalische Jubiläums-Programm Attic109 aus Demmin: Die Jungs standen bei ihrem Morgenkonzert in der Badeanstalt auf einem ausgemusterten Feuerwehrauto.
Schlechtestes Wetter in der Festivalgeschichte
An beiden Festivaltagen gab es über lange Zeit Dauerregen samt einiger kräftiger Schauer. Hinzu kamen kühle Temperaturen und am Sonnabend heftiger Wind, sodass ein Teil der deutlich mehr als 60 Programmpunkte buchstäblich ins Wasser fiel. Manche Campinggäste räumten das Feld früher als geplant, doch das Gros der Fans hielt trotz aller Unbilden aus und ließ sich die Stimmung nicht vermiesen.
Das Finale gestaltete Rapper Marteria aus Rostock, der sonst ganze Stadien füllt und 2018 einen kurzen Überraschungsbesuch in Jarmen absolvierte. Dieses Mal lieferte er ein ausgewachsenes Konzert und eine zusätzliche Premiere – ein gemeinsames Lied mit Kollege Finch, der im Vorjahr aufgetreten war. „Das ist so dumm, dass das nur ein Wochenende ist, kann das nicht ein ganzes Jahr sein“, fragte Marteria in die Runde und stimmte wenig später zum Abschluss mit den Tausenden vor ihm „Geschichten aus Jarmen“ an – jenen Titel der Fischfilets, dessen eine Zeile dem „Wasted“ vor zehn Jahren seinen Namen bescherte.