Zentimeter für Zentimeter schiebt sich der riesige Schwerlasttransporter um die 90-Grad-Kurve. Es geht langsam voran, schließlich ist es Millimeterarbeit. Der Anhänger muss passgenau an die provisorisch errichtete Verladerampe andocken. Nur so kann die 30 Tonnen schwere und 30 Meter lange Straßenbahn, die mit Polizeieskorte durch Rostock transportiert wurde, sicher in der Wendeschleife im Kurt-Schumacher-Ring abgeladen werden. Für Fahrer Michael Freund und seine Kollegen von der Firma Gruber Logistics ist das Routine.
Täglicher Tausch in den Abendstunden
Sie fahren aktuell die Straßenbahnen zwischen dem Betriebshof der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) in der Hamburger Straße und den Abstellflächen in Dierkow hin und her: Eine wird vom Betriebshof nach Dierkow gebracht, eine andere dafür abgeholt. „Es ist quasi ein Tausch“, sagt RSAG-Sprecherin Beate Langner.
Notwendig wird diese Aktion wegen der Bauarbeiten am Werftdreieck und dem Austausch der Gleise dort. Dafür ist der Straßenbahnverkehr zwischen RSAG-Betriebshof und Doberaner Platz seit Mitte Juli unterbrochen. Jedoch müssen die Straßenbahnen, die in dieser Zeit im Norden und Westen der Hansestadt im Einsatz sind, in bestimmten Intervallen gewartet oder für Reparaturen in die Werkstatt gebracht werden, sofern diese nicht vor Ort ausgeführt werden können, erklärt Langner. Und das geht nur, indem die Bahnen auf den Schwerlasttransporter aufgeladen und zur Werkstatt gefahren werden.
29 Bahnen in Dierkow geparkt
So wie an diesem Abend, als die Bahn 655 gegen die 690 ausgetauscht wird. Insgesamt 29 Bahnen hat die RSAG für die Zeit der Bauarbeiten in Dierkow geparkt – sicher bewacht vor möglichem Vandalismus. 26 sind täglich im Linienbetrieb unterwegs und drei werden als Reserve vorgehalten, sollte es unplanmäßig zu Ausfällen kommen, erklärt Langner.
Ende Juli war es das erste Mal so weit und die ersten Bahnen mussten ihren Weg zur turnusmäßigen Wartung in die Werkstatt antreten. „Es gibt eine Prioritätenliste, defekte Fahrzeuge werden sofort überführt“, erklärt Thomas Fittkau, Teamleiter Straßenbahninstandhaltung bei der RSAG, das Prozedere. Ansonsten ist vorgesehen, dass die Bahnen entweder alle 10 oder 60 Tage zur Wartung müssen – je nachdem wie es um die Technik und Bahnen bestellt ist. „Wir müssen also nicht jedes Fahrzeug einmal in die Werkstatt holen“, so Fittkau.
Routine für die Spezialisten
Vorgesehen ist, dass Michael Freund und seine Kollegen vom Speditionsunternehmen einmal täglich diese Runde fahren zwischen Betriebshof und Wendeschleife im Kurt-Schumacher-Ring, immer in den Abendstunden. Das Unternehmen Gruber Logistics transportiert überwiegend Straßenbahnen, sagt Schwertransport-Begleiter Thomas Bennarndt. Darunter auch deutlich größere Exemplare als die Rostocker Trams vom Typ 6N1. Vor allem diese Bahnen sind aktuell auf dieser Seite der Stadt im Einsatz, weil sie etwas leichter sind als die anderen RSAG-Bahnen, in denen zum Beispiel Klimaanlagen verbaut sind, erklärt Langner.
Und der Ablauf ist immer der Gleiche: Nach der etwa 40-minütigen Fahrt wird der Anhänger samt Bahn so positioniert, dass er an die Schienenrampe anschließt und die Tram per Seilwinde vom Tieflader abgeladen werden kann. Anschließend übernehmen die Mitarbeiter und fahren die Bahn an ihren vorgesehenen Platz auf dem Abstellgleis. Dann wird das nächste Fahrzeug, das mit in die Werkstatt soll, in Position gebracht und Thomas Bennarndt und sein Team übernehmen wieder: Per Seilwinde werden die 30 Tonnen auf den Lader gezogen, gesichert und die Rückfahrt kann beginnen.
Bis zum 21. August
Noch bis zum 21. August müssen die Trams so für Reparaturen und Wartung per Transporter durch die Stadt gefahren werden. Dann sollen die Bauarbeiten beendet sein und der Straßenbahnverkehr ab 22. August wieder ungehindert durch die Hansestadt rollen können.