Einmal bis zweimal pro Woche, im Sommer je nach Wetterlage, wird die Tagespflege in der Güstrower Südstadt, Friedrich-Engels-Straße 12c, zum Ausflugsziel im Grünen. Die Inhaber Olena Pogorelska und Thomas Zornow haben im vergangenen Jahr in einer Gartenanlage in der Südstadt ein Grundstück übernommen, um es gemeinsam mit den Gästen zu bewirtschaften.
Von der Aussaat bis zur Ernte
Nicht alle Arbeiten sind möglich, wie Olena Pogorelska erklärt: „Das ist im großen Umfang nicht möglich, aber einige von ihnen freuen sich, mal zu hacken.“ Vor allem in den Hochbeeten können die Gäste mit anpacken. Für das Bewässern und Pflegen der Pflanzen sind Pogorelska und Viktoriia Kopelchuk zuständig. Angebaut wurden in diesem Jahr Gurken, Tomaten, Zucchini und Rote Bete. Auch Kartoffeln, Zwiebeln und Bohnen wachsen auf dem Beet. Die Ernte kommt in der Küche der Tagespflege auf den Tisch – etwa als ukrainischer Kartoffelsalat: „Heute gibt es ukrainischen Kartoffelsalat mit Kartoffeln, Roter Bete und Möhren“, so Olena Pogorelska.
Neues Leben und alte Erinnerungen
Sandra Stobsand, ehemalige Hebamme, sieht in der Gartenarbeit eine Verbindung zu ihrem früheren Beruf: „Hier im Garten entsteht neues Leben. Wir pflanzen, pflegen und beobachten, wie aus einem kleinen Samen etwas Großes wird“, freut sie sich. Auch die Tagesgäste sind gern im Garten. Sie verfolgen, wie Kartoffeln, Zwiebeln und Bohnen wachsen, und konnten wochenlang Erdbeeren aus eigener Ernte essen. Viele von ihnen hatten früher selbst einen Garten. „Wenn sie hier sind, dann kommen Erinnerungen zutage und sie geben uns gute Tipps“, erzählt Ulrike Gundlach, die als Fachkraft in der Tagespflege in der Südstadt tätig ist.
Der Garten als Lebenszeichen
Zum Tag der Demenz pflanzten die Gäste gemeinsam mit den Mitarbeitern Vergissmeinnicht. Für die Inhaberin ist der Garten weit mehr als ein Stück Land: „Er ist ein Ort, an dem neues Leben entsteht und auch ältere Menschen spüren, dass das Leben noch immer Früchte tragen kann“, ist sie überzeugt. Und es werden wohl noch viele weitere Tage im Tagespflege-Garten folgen – schließlich wird hier nicht nur gearbeitet, sondern auch gegrillt oder einfach zusammengesessen.
Barrierefrei in den Garten
Auch Sandra Stobsand, die im Rollstuhl sitzt, ist regelmäßig dabei. Sie kommt jeden Dienstag und Donnerstag in die Tagespflege in der Südstadt. „Durch eine Freundin bin ich auf das Angebot aufmerksam geworden“, erzählt sie. Das Gartenhaus wurde hübsch hergerichtet und der Eingang zur Terrasse verbreitert – so fühlen sich die Tagesgäste fast wie in ihrem heimischen Garten und erleben die Natur hautnah.