Warnemünder Händler: Kreuzfahrtgäste bringen wenig Umsatz
Warnemünder Händler: Kreuzfahrtgäste bringen wenig

Nach der Hanse Sail und der Warnemünder Woche ziehen die Geschäfte im Ostseebad Warnemünde eine gemischte Bilanz. Trotz der vielen Besucher und der jährlich mehr als 150 Kreuzfahrtschiffsanläufe bleiben die Umsätze verhalten. Die Händler berichten von stabilen, aber nicht außergewöhnlichen Geschäften. Die Kreuzfahrtgäste spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle.

Stabile Lage, aber keine Euphorie

Ramona Goitzsch vom Ostseebär-Shop am Alten Strom sagt: „Das Geschäft läuft gut.“ Ihr Sortiment umfasst Fruchtgummi in vielen Geschmacksrichtungen, von Pfirsich bis zu veganem Holunder-Rhabarber. Die Kundschaft sei gemischt: „Einheimische, Urlauber – auch Passagiere von Kreuzfahrtschiffen schauen gelegentlich vorbei.“ Begeisterung klingt anders.

Auch im Plattenladen Coaast TMP nahe dem Leuchtturm ist die Lage stabil. Inhaber Andreas „Doc“ Buhse erklärt: „Wichtiger für unser Geschäft sind Besucher aus Berlin und Sachsen.“ Kreuzfahrtgäste machen nur einen kleinen Teil der Kundschaft aus. Einmal hätten Besatzungsmitglieder aus Mexiko bei ihm vorbeigeschaut und unbedingt Krautrock gewollt – sie bekamen ihn.

Bernsteingalerie spürt Konkurrenz durch Märkte

Direkt neben dem Plattenladen befindet sich die Bernsteingalerie von Edyta Mullack, in der auch ihre Tochter Michelle Bunk arbeitet. Bunk sagt: „Es ist spürbar ruhiger in diesem Jahr, gerade im Vergleich zu 2025.“ Die beiden Großevents Warnemünder Woche und Hanse Sail seien starke Verkaufstage gewesen. Zu den Kreuzfahrtgästen könne sie nichts sagen.

Wenig glücklich ist sie mit den regelmäßig stattfindenden Märkten im Seebad. „Das ist schon eine Konkurrenz“, sagt sie. Besonders gut laufen laut Bunk „Magnete mit echtem Bernstein, Schmuck mit Strandfunden sowie Ohrringe und Ringe“ sowie typische Warnemünde-Motive wie Leuchtturm und Teepott.

Kreuzfahrtbilanz im Modeladen ernüchternd

Im Modeladen „Scandic – way of Life“ am Alten Strom fällt die Bilanz ähnlich aus. Eine Mitarbeiterin sagt: „Die Gäste der Schiffe bringen dem Laden nicht so viel.“ Der Grund: Die Passagiere blieben meist nicht lange genug im Seebad. Auch hier sorgten Hanse Sail und Warnemünder Woche für zusätzliche Besucher und real mehr Kundschaft.

Diese Eindrücke decken sich mit einer Aussage von Lars Schwarz, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) in Mecklenburg-Vorpommern, vom Juli: „Kreuzfahrtschiffe bringen bislang nur in geringem Umfang direkte Einnahmen für das Gastgewerbe.“ Das sei „homöopathisch“. Die meisten Passagiere nutzten Häfen wie Warnemünde vor allem als Ein- oder Ausstiegsort.