Zwei markante Silo-Gebäude am Rostocker Stadthafen stehen zum Verkauf. Der Insolvenzverwalter des Windkraftunternehmens Eno Energy, Dr. Christoph Morgen, bestätigte gegenüber der Norddeutschen Neuesten Nachrichten: „Wir sind derzeit dabei, beide Silo-Gebäude zu verkaufen. Das soll zeitnah geschehen. Wir sind bereits mit Interessenten in Gesprächen.“
Jahrzehntelange Geschichte
Das große Getreidesilo, das seit mehr als 90 Jahren direkt am Stadthafen steht, prägt zusammen mit einem kleineren Silo das Stadtbild. Täglich erblicken über 40.000 Autofahrer die Speicher an der Straße Am Strande (L22). Die Bauwerke überdauerten Nazi-Zeit, DDR und die Wende.
Der Verkauf erfolgt im Zuge des Insolvenzverfahrens rund um Eno Energy. Im vergangenen Jahr wurde Dr. Christoph Morgen von der Kanzlei Brinkmann & Partner als Insolvenzverwalter bestellt. Er war bereits Insolvenzverwalter der MV Werften Gruppe.
Bauprojekt gestoppt
Vor gut drei Jahren hatte Eno Energy das Bauprojekt „Rekonstruktion, Umbau und Erweiterung Silo 1“ angekündigt. Geplant war ein Büro- und Geschäftshaus. Mit der Insolvenz kamen die Bauarbeiten zum Erliegen. Zuletzt wurden nur noch Baugerüste an beiden Silos abgebaut. Morgen erklärt: „Weil von unserer Seite kein Plan besteht, diesen Bau weiterzuführen.“
Eine gültige Baugenehmigung liegt weiterhin vor. Das städtische Bauamt teilte mit: „Zu der Baustelle am Speicher Kempowski-Ufer 2/Am Strande 2d besteht eine gültige Baugenehmigung, der Baubeginn wurde am 09.02.2023 angezeigt.“ Genehmigt wurden die Rekonstruktion, der Umbau und die Erweiterung des Silos 1 sowie der Neubau einer ebenerdigen Parkplatzanlage.
Baugenehmigung bleibt gültig
Der Abbau der Baugerüste könnte helfen, die Baugenehmigung zu erhalten. Das Bauamt erklärt: „Wenn die Bauausführung länger als ein Jahr unterbrochen ist, erlischt die Baugenehmigung.“ Vorsorglich habe man den Bauherren darauf hingewiesen. „Allgemein ist der Rechtsrahmen hier eher weit“, so die Stadt. So könne „der Abbau eines Baugerüstes auch als Aktivität auf der Baustelle zählen“. Nach Kenntnis der Verwaltung seien die Bauarbeiten noch nicht länger als ein Jahr unterbrochen.
Denkmalgeschützter Silo
Das große Silo am Kempowski-Ufer wurde 1935 fertiggestellt. In die Backstein-Fassade sind ein Greif als Motiv und die Jahreszahl 1935 eingearbeitet. Gestaltet wurde der über 40 Meter große Bau von Paul Bonatz und Paul Schmitthenner.
Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege beschreibt den Silo als „zu den herausragenden neuzeitlichen Dominanten im Stadtbild Rostocks“. „Erstmals bestimmte ein Bauwerk neben den Türmen der Hauptkirchen die Silhouette der Stadt“, heißt es dort. Der Silo gilt als Prototyp für viele nachfolgende Silobauten, darunter die „Reichstypenspeicher“. Er dokumentiere „den hohen Rang der Nahrungsmittelbevorratung als Teil der nationalsozialistischen Kriegsvorbereitung.“
Aufnahmen des Fotografen Karl Eschenburg aus dem Jahr 1937, die im Universitätsarchiv Rostock aufbewahrt werden, zeigen das große Silo und seine Bedeutung für die Silhouette der Stadt. Mehr als 90 Jahre nach dem Bau steht nun ein neues Kapitel im Hafen an.