Zwei schwedische Schiffe, die im Dezember 1714 im Großen Nordischen Krieg vor der Küste des heutigen Mecklenburg-Vorpommern sanken, sind gefunden worden. Die Fregatte „Postillion“ und das Begleitschiff „Cecilie“ liefen an einer Untiefe auf Grund und wurden aufgegeben. Das Eis zerdrückte sie später.
Entdeckung bei Nord-Stream-2-Arbeiten
Die Reste der „Postillion“ wurden 2016 bei archäologischen Untersuchungen für den Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 entdeckt. Das Handelsschiff „Cecilie“, das in Kriegsdiensten stand und die Verteidigung des damals schwedischen Stralsund unterstützen sollte, war bereits sechs Jahre zuvor nahebei im Ostseesand gefunden worden, wie der Archäologe Jens Auer bei der Präsentation in Schwerin berichtete.
Einzigartige Funde aus dem Alltag
Das Inventar der Wracks ist außergewöhnlich gut erhalten. Archäologen fanden hölzerne Spielfiguren, Tonpfeifen, Schalen und Essbesteck, teils mit Monogramm. „Das sind alles Sachen, die uns plötzlich einen direkten Zugang zur Vergangenheit geben“, sagte Auer. Organisches Material wie Kleidungsreste und Taustücke überlebe selten so lange.
Identifizierung und weitere Forschung
Die Schiffsglocke ermöglichte die Identifizierung der Fregatte als „Postillion“. Nun folgt eine langwierige Arbeit in schwedischen Archiven, um mehr über die Besatzung zu erfahren. Der Kapitän hieß Mikael Spalding, die Mannschaft umfasste 110 Mann. Das Schiff war 30 Meter lang und mit 20 Kanonen bestückt.
Kanonenrohr und Kochtopf geborgen
Ein bronzenes Kanonenrohr, das die Schweden 1634 im Dreißigjährigen Krieg erbeutet hatten, wurde vom Ostseegrund geholt und lagert im Depot der Landesarchäologie in Schwerin. Auch der Bord-Kochtopf wurde geborgen. Die Wracks selbst bleiben am Grund der Ostsee zwischen Rügen und Usedom; der genaue Fundort wird geheim gehalten, um Raubgräber abzuschrecken.
Reiche Fundstätten in der Ostsee
Die Ostsee ist reich an archäologischen Fundstätten. Allein in der Zwölf-Seemeilen-Zone vor Mecklenburg-Vorpommern gibt es 3.500, vom Wrack bis zur versunkenen steinzeitlichen Siedlung.