In Plate, Kirch Stück und Schwerin sind weiße T-Shirts mit der Aufschrift „Das letzte Hemd“ an Ortseingangsschildern aufgetaucht. Die Polizei kennt die Aktion, doch wer dahintersteckt und was sie in Mecklenburg-Vorpommern bedeutet, ist bislang offen.
Stille Botschaft an Ortsschildern
Vor gut zwei Jahren hingen an den Ortsschildern Gummistiefel – ein stiller Protest gegen das Höfesterben und die Agrarpolitik der Bundesregierung. Nun sind es weiße T-Shirts mit der schlichten Aufschrift „Das letzte Hemd“. Kein Parteizeichen, kein Logo, kein Name. Nur drei Wörter, die im Wind flattern und Raum für Interpretation lassen.
Das Motiv knüpft an die Gummistiefel an: Waren diese Sinnbild für Landwirte, die ihren Beruf aufgeben könnten, gehen die Hemden näher an den eigenen Körper. Wer sein „letztes Hemd“ hergeben muss, hat nichts mehr übrig.
Was bedeutet das Sprichwort?
„Das letzte Hemd hat keine Taschen“, lautet eine alte Redewendung. Gemeint ist: Was auch immer ein Mensch besitzt, am Ende kann er nichts davon mitnehmen. „Sein letztes Hemd hergeben“ bedeutet, alles zu opfern oder das Letzte herzugeben.
Was die unbekannten Urheber damit sagen wollen, bleibt in Mecklenburg-Vorpommern offen. Die Aktion ist bundesweit zu beobachten. In anderen Regionen Deutschlands wurden die Shirts teilweise dem rechten politischen Spektrum zugeordnet. Für Mecklenburg-Vorpommern gibt es dafür bislang keinen belastbaren Beleg.
Polizei beobachtet, aber ermittelt nicht
Wer die Hemden in Plate, Kirch Stück und Schwerin aufgehängt hat, ist unbekannt. Weder eine Organisation noch eine Privatperson hat sich öffentlich dazu bekannt. Auch in Social-Media-Gruppen mit Bezug zu Mecklenburg-Vorpommern findet sich kein Hinweis auf einen Urheber.
Die Polizei kennt die Aktion trotzdem. Auch aus dem Raum Güstrow wurden Hemden gemeldet. Einen strafrechtlich relevanten Sachverhalt sieht die Polizei derzeit nicht. „Der Staatsschutz hat die Aktion im Blick. Es gibt aber aktuell keine Ermittlungen“, sagt Sophie Pawelke, Sprecherin des Polizeipräsidiums Rostock.
Die Polizei werde prüfen, ob durch die Befestigung der T-Shirts Verkehrszeichen verdeckt oder in ihrer Wirkung beeinträchtigt werden, erklärt Pawelke. Einen entsprechenden Hinweis habe es bislang nicht gegeben. Solange die Hemden keine Verkehrszeichen verdecken, beschädigen oder deren Wirkung beeinträchtigen, sieht die Polizei keinen Verstoß. Auch die Straßenverkehrsordnung setzt hier Grenzen.
Spur in Schleswig-Holstein
Ein weißes T-Shirt kann vieles bedeuten: Protest gegen steigende Preise, gegen zu hohe Steuern, gegen die Bundesregierung oder ein bewusst gesetztes Fragezeichen. In Schleswig-Holstein wird die Aktion dem Umfeld von „Schleswig-Holstein steht auf“ zugerechnet. Die Gruppe bezeichnet sich als überparteilich, ihre Forderungen und personellen Verbindungen sind Gegenstand politischer Einordnungen und Kritik.
Für Mecklenburg-Vorpommern gilt vorerst: Das Hemd hängt und der Absender fehlt. So flattern die weißen T-Shirts weiter im Wind – eine Botschaft ohne Unterschrift, die viel Raum für Interpretation lässt.