Bei einer Fahrt im Trabi durch Mecklenburg-Vorpommern hat FDP-Spitzenkandidatin Jessica Mendle die Landesregierung deutlich kritisiert und eindrückliche Beispiele genannt. Die 43-Jährige, die mit ihrem Mann Nils einen Pflegedienst betreibt, fordert mehr Eigenverantwortung statt Dauer-Hilferufe nach dem Staat. Ihre Lobbyarbeit als Vorständin des Vereins „Zukunftsfeste Pflege“ verteidigt sie ausdrücklich.
Werdegang und Systemsprenger-Rolle
Jessica Mendle kam durch ein Bild des ehemaligen FDP-Chefs Guido Westerwelle in der Zeitung und ihre Mutter zur Politik. „Die hat gesagt: Du, das ist die richtige Partei. Meine Mutter ist auch freiheitsliebend. Und ich bin eigentlich liberal von Geburt an. Ich habe schon immer meinen eigenen Kopf gehabt und versucht, für mich selbst einen Weg zu finden. Das war nicht immer einfach, weil ich dadurch auch immer ein Systemsprenger war in der Schulzeit“, schildert die FDP-Spitzenkandidatin ihren Werdegang dem Nordkurier während der Trabi-Fahrt durchs Land.
Kritik an der Pflegepolitik
Ihre Lobbyarbeit sieht Mendle nicht als Problem an – im Gegenteil: „Ich habe immer das Gefühl, dass es nicht verstanden wird. Es gibt ja genügend Verbände aus genügend anderen Bereichen wie dem Bauernverband. Alle bringen sich ein. Die meckern ja nicht nur, es werden ja auch Lösungen aufgezeichnet. Aber mein Gefühl, was ich seit Jahren habe, ist immer, dass wenn wenn wenn eine Berufsgruppe etwas sagt oder ein Selbstständiger etwas sagt, ist, dass es dann heißt: Das machen die ja nur zu ihrem eigenen Interesse.“
Das Steckenpferd der vierfachen Mutter ist die Pflege, mit ihrem Mann Nils betreibt sie einen Pflegedienst. „Da muss die Landesregierung sich ganz klar positionieren aus meiner Sicht. Der Bund hat Gesetze erlassen, zum Tariftreuegesetz, was natürlich wichtig ist, dass die Pflegekasse gut verdienen. Aber man muss natürlich systemisch gucken: Was passiert dann? Wenn dann die Pflegekasse nicht mehr Geld hat, landet das im Landeshaushalt. Und wenn der Landeshaushalt auch kein Geld hat und das in die Kommunen abschiebt, dann ist es eine Katastrophe.“
Eigenverantwortung statt Staat
Grundsätzlich wirbt Mendle für weniger Staatsgläubigkeit und mehr Eigenverantwortung. Schwierig findet die 43-Jährige, „wenn wir schon von klein auf an alle so erzogen werden, dass immer jemand anderes verantwortlich ist.“ Konkret nennt sie auch ein Beispiel vom Landesschülerrat, der seine finanziellen Forderungen an sie adressierte: „Da hab ich zu ihm gesagt: Weißt Du was? Gebt doch jedem, der ein Schülerpraktikum bei euch macht, einen Zettel mit und bittet da drum, euch als Schüler zu unterstützen, weil ihr als Schüler eine gute Bildung wollt, ihr Veranstaltungen organisieren wollt und eine Vernetzung mit Wirtschaft und Schülern braucht. Bittet um eine Spende von 50 Euro pro Praktikant. Dann braucht ihr gar keinen Staat mehr. Und dann könnt ihr in eure Stellungnahme das schreiben, was ihr wirklich wollt.“
Warum Jessica Mendle mit der Landesregierung abrechnet, warum sie sich als Systemsprengerin sieht und an welchem See sie privat in Mecklenburg-Vorpommern ganz einfach campt, zeigt Folge 5 der Videoserie „Landpartie zur Landtagswahl“ im Zuge der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern.