Betrieben in Mecklenburg-Vorpommern fällt es immer schwerer, Auszubildende zu finden. Wie aus den Ausbildungs- und Azubi-Umfragen der drei Industrie- und Handelskammern (IHK) hervorgeht, konnte mehr als jedes zweite befragte Unternehmen nicht einmal die Hälfte seiner Ausbildungsplätze besetzen. Im Bereich der IHK zu Schwerin gaben nur 46 Prozent der Betriebe an, alle Ausbildungsplätze besetzt zu haben. Im Neubrandenburger Kammerbezirk waren es mit 43 Prozent noch weniger, im Rostocker mit 52 Prozent etwas mehr. Die Zahlen beziehen sich auf das Ausbildungsjahr 2025/26, für das im August gestartete Lehrjahr 2026/27 sind zurzeit in etlichen Betrieben noch Bewerbungen und Vertragsabschlüsse möglich.
Regionale Unterschiede bei Bewerbungslage
Die Neubrandenburger Kammer konstatiert eine regionale Besonderheit: Jeweils 48 Prozent der Betriebe, die nicht alle Ausbildungsplätze besetzen konnten, erhielten überhaupt keine Bewerbungen oder keine geeigneten Bewerbungen. Bundesweit berichten lediglich 24 Prozent von vollständig ausbleibenden Bewerbungen, während 65 Prozent keine geeigneten Bewerbungen erhalten. Im Osten von MV treffen damit Bewerbermangel und Passungsprobleme aufeinander.
Fehlende Ausbildungsreife als Hauptproblem
Besonders beklagt wird die fehlende Ausbildungsreife von Bewerbern. Fast 90 Prozent der Unternehmen im Rostocker, 94 im Neubrandenburger und sogar 95 Prozent im Schweriner Kammerbezirk nennen sie als großes Problem. Besonders häufig werden Defizite bei mathematischen Grundkenntnissen, Belastbarkeit, Zuverlässigkeit, Disziplin sowie Leistungsbereitschaft und Motivation genannt. Im Osten des Landes beklagen Ausbilder zudem fehlende wirtschaftliche Grundkenntnisse und Probleme beim Ausdrucksvermögen.
Betriebe fördern eigenständig, fordern aber mehr Unterstützung
Viele Unternehmen seien indes grundsätzlich auch bereit, Jugendlichen mit Unterstützungsbedarf eine Chance zu geben, konstatieren alle drei Kammern. Die IHK zu Schwerin betont, dass 46 Prozent ihrer Unternehmen das auch ohne öffentliche Unterstützung täten. Knapp jeder dritte Betrieb (30 Prozent) in Westmecklenburg biete unternehmenseigene Nachhilfe an oder nutze Einstiegsqualifizierungen. Ähnlich sieht es auch in der Mitte und im Osten des Landes aus. Dennoch sehen die Kammern Handlungsbedarf. Schulabschlüsse müssen aussagefähiger und vergleichbarer werden, Grund- sowie insbesondere MINT-Kompetenzen verlässlich vorhanden sein, fordert zum Beispiel die IHK Neubrandenburg. Gleichzeitig brauche die Berufsorientierung deutlich mehr Praxisnähe.
Wohnraum und Mobilität als Schlüsselfaktoren
Auch ausreichender Wohnraum und die gute Erreichbarkeit der Berufsschulen sehen Betriebe als wichtige Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Ausbildung an. Die befragten IHK-Unternehmen in allen Landesteilen wünschen sich unter anderem Programme zur Vermittlung von Wohnraum für Auszubildende und einen einfacheren Zugang zu finanziellen Unterstützungsleistungen für junge Menschen zur Unterstützung der Mobilität und der Unterkunft. Die IHK Neubrandenburg hat ermittelt, dass rund 29 Prozent der Azubis in ihrem Kammerbezirk für die einfache Fahrt zur Berufsschule mindestens eine Stunde benötigen, etwa 14 Prozent sogar mindestens 90 Minuten. Zum Ausbildungsbetrieb ist dagegen nur bei rund acht Prozent mindestens eine Stunde erforderlich. „Die jungen Menschen zeigen eine erhebliche Mobilitätsbereitschaft. Diese Bereitschaft darf aber nicht zum finanziellen Risiko werden“, betont Hauptgeschäftsführer Torsten Haasch. Auch die Rostocker IHK fordert deshalb, Fahr- und Unterkunftskosten gerecht zu finanzieren: Zuschüsse sollten unabhängig von der Höhe der Ausbildungsvergütung gewährt werden, Auszubildende nicht über längere Zeit in Vorleistung gehen müssen.
Wer indes einen Ausbildungsplatz gefunden hat, ist damit weit überwiegend auch zufrieden. Vier von fünf Lehrlingen – konkret je nach Kammer zwischen 82 und 84 Prozent – würden ihren Ausbildungsbetrieb weiterempfehlen. Besonders positiv bewerten sie das Betriebsklima, die Betreuung durch ihre Ausbildung sowie die Übernahme- und Karrierechancen.