Schandfleck-Paragraf: Investor soll alte SED-Parteischule in Schwerin abreißen
Investor soll SED-Parteischule in Schwerin abreißen

Die Stadt Schwerin macht Ernst auf dem „Apachenhügel“: Der Investor, der dort ein Wohnquartier errichten wollte, soll die verfallene SED-Bezirksparteischule abreißen. Die Aufforderung zum Rückbau wurde schriftlich zugestellt, ein Widerspruch blieb aus, die Frist ist abgelaufen. Nun drohen Zwangsgeld oder eine Ersatzvornahme.

Seit Jahrzehnten leer und verfallen

Seit mehr als 20 Jahren steht die frühere Parteischule leer, verfallen die Gebäude, verkommt das Grundstück. Eingeschlagene Fensterscheiben, Graffiti an den Wänden, zugewucherte Eingänge: Von dem Ort, an dem einst das Einmaleins des Marxismus-Leninismus gelehrt wurde, ist nur noch eine Ruine übrig.

Der Investor aus Süddeutschland hatte Pläne für mehrere Drei- bis Siebengeschosser mit insgesamt 250 Wohneinheiten. Vorgestellt wurde das „Quartier Seeblick“ im Jahr 2024, rund 70 Millionen Euro sollten investiert werden. Der Baubeginn war für das zweite Quartal 2025 angekündigt, doch passiert ist bislang nichts.

Stadt verweist auf Sicherheit

Baudezernent Bernd Nottebaum (CDU) betont, es gehe nicht nur um den äußeren Eindruck der ehemaligen Kaderschmiede, sondern auch um die Sicherheit. Immer wieder hätten sich Jugendliche zu dem Ort hingezogen gefühlt, mehrfach habe es dort auch gebrannt.

Der Leiter des städtischen Fachdienstes für Stadtentwicklung und Wirtschaft, Andreas Thiele, sagte vor gut einem Jahr, der Investor befinde sich nach eigenen Angaben in einer Phase der Restrukturierung. Die Stadt sei aber weiterhin von der Attraktivität des Standortes überzeugt und hoffe auf die Umsetzung des Seeblick-Projektes. Der Investor war für die Redaktion aktuell nicht erreichbar.

Geschichte des „Apachenhügels“

Die Bezirksparteischule wurde 1979 eröffnet und war damals ein moderner Bau mit Internat, Mensa, Café und Hörsaal für 500 Studierende. Zur Wendezeit fiel sie an die Treuhand, im Dezember 1992 kaufte die Schweriner Grundgesellschaft, eine Tochter der Stadt, das Objekt für rund 26 Millionen Mark.

Von 1993 bis 2000 waren die Gebäude an die Fachhochschule des Bundes für Arbeitsverwaltung vermietet. Die Grundgesellschaft geriet dennoch in Schieflage, 1996 übernahm die Wohnungsgesellschaft Schwerin (WGS) rund 98 Prozent der Anteile und damit auch Schulden. Bis Ende des Jahres muss auf dem Gelände jetzt etwas geschehen, sonst drohen Konsequenzen.