Das vergessene Dorf Jägerbrück im Sperrgebiet bei Torgelow
Das vergessene Dorf Jägerbrück im Sperrgebiet (17.08.2026)

Jägerbrück liegt seit fast 75 Jahren im Sperrgebiet des Truppenübungsplatzes bei Torgelow-Drögeheide. Von dem Dorf in der Ueckermünder Heide sind nur noch ein Stück gepflasterte Straße, Grundmauern einiger Häuser und ein Grab übrig. Die Bundeswehr hat zur Erinnerung Orts- und Hinweisschilder aufgestellt.

Zeitzeuge besucht das Dorf nach 80 Jahren

Joachim Hartfiel, Jahrgang 1930, kennt Jägerbrück aus seiner Kindheit. Er hat dem Dorf ein Kapitel in seinem Buch „Zur Geschichte der Region des ehemaligen Landkreises Ueckermünde“ gewidmet. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der damals 15-Jährige in der sowjetisch besetzten Zone zum Dienst auf Gut Borken verpflichtet. Auf seinem Weg zum Dienst kam er mit ziemlicher Sicherheit auch durch Jägerbrück.

Nun konnte sich der 95-jährige ehemalige Geschichtslehrer nach rund 80 Jahren auf Einladung des Kommandeurs des Truppenübungsplatzes, Oberstleutnant Markus Ludwig, mit eigenen Augen ansehen, was vom einstigen Dorf übrig ist.

Die Schule und die Aussiedlung 1952

Erster Halt war die ehemalige Schule, von der nur noch die Grundmauern und der Keller übrig sind. Zu DDR-Zeiten haben wahrscheinlich Soldaten der NVA eine schmale Metallbrücke über die Reste des Gebäudes gelegt. „Aufgeben mussten die Bewohner das Dorf 1952 auf Beschluss des Ministeriums des Innern der DDR, weil ein Truppenübungsplatz für die kasernierte Volkspolizei, später NVA, errichtet werden sollte“, las Markus Ludwig aus einer Chronik. Demnach wurde in der Schule die erste Kommandantur eingerichtet, der Dorfkrug zur ersten Gemeinschaftsküche umfunktioniert.

Im Sommer 1952 wurde mit der Aussiedlung begonnen. „Eine Bewohnerin aus Jägerbrück berichtete, dass bereits im Frühjahr des Jahres Panzer über den Karpiner Damm nach Jägerbrück ins Übungsgelände fuhren“, zitierte Hartfiel aus seinem Buch. Die Aussiedlung sei nicht ohne Konflikte abgelaufen, denn die Bauern erhielten für ihren Besitz nur geringe Entschädigungen. Der Schulbetrieb war bereits zum Ende des Schuljahres 1951/52 eingestellt worden.

Spuren der Geschichte und ein Grab im Wald

Während von den meisten Gebäuden nichts mehr übrig ist, sind vom Gutshaus noch Grundmauern und Keller erhalten. Die Bundeswehr hat kleine Schilder aus Edelstahl mit den Namen der letzten Bewohner sowie eine Tafel mit einer Übersicht der Gebäude aufgestellt. Ein Stück weiter wies ein Schild auf den Friedhof hin. Dort findet sich ein einziges Grab, auf dem die Eheleute Maria und Ernst Witt begraben liegen.

Joachim Hartfiel erzählte, dass im Dorf schwierige Arbeits- und Lebensbedingungen geherrscht hätten, selbst elektrischen Strom gab es nicht. Trotzdem habe es gesellschaftliches Leben gegeben, mit FDJ- und FDGB-Ortsgruppe sowie einer gemeinsamen Handballmannschaft. Der unermüdlichen Arbeit von Joachim Hartfiel ist es zu verdanken, dass das kleine Dorf nicht komplett in Vergessenheit gerät. Auf dem Truppenübungsplatz befinden sich neben Jägerbrück noch einige andere vergessene Wohnplätze.