EM-Silber für Rostocker Speerwerferin Julia Ulbricht nach schweren Jahren
EM-Silber für Julia Ulbricht aus Rostock

Speerwerferin Julia Ulbricht vom 1. LAV Rostock hat bei der Leichtathletik-EM in Birmingham überraschend Silber gewonnen. Die 25-Jährige warf im Finale gleich im ersten Versuch 61,53 Meter. Nur Rio-Olympiasiegerin Sara Kolak aus Kroatien war mit 62,43 Metern besser. Bronze ging an Adriana Vilagos aus Serbien mit 60,93 Metern.

Größter Erfolg der Karriere

Für Ulbricht war es der größte Erfolg ihrer bisherigen Laufbahn. Entsprechend emotional reagierte sie nach dem Wettkampf im Gespräch mit ARD-Moderator Claus Lufen. „Ich wollte schon immer eine Medaille auf der internationalen Bühne. Ich kann es nicht fassen und bin einfach nur happy“, sagte die Rostockerin in der Sportschau sichtlich gerührt und mit den Tränen kämpfend.

Schwierige Jahre und der Traum von Olympia

Bemerkenswert ist der Erfolg vor allem wegen ihrer Vorgeschichte. Noch im vergangenen Jahr war Ulbricht aus dem Bundeskader gestrichen worden, damit fiel auch die Sportförderung weg. Um ihre Miete bezahlen zu können, nahm sie zusätzlich einen Minijob an. Auf diese schwierige Phase angesprochen, antwortete sie offen: „Ehrlich gesagt waren die letzten Jahre sehr schwierig für mich. Ich war zwischenzeitlich schon an dem Punkt zu überlegen, ob ich aufgebe und nicht mehr weitermache.“

Dass sie dennoch weitermachte, hing vor allem mit einem Ziel zusammen: „Aber mein Traum ist immer noch, dass ich es mal zu Olympia schaffe. Deshalb habe ich immer weiter gekämpft und bin so stolz auf mich, dass ich es heute soweit geschafft habe“, sagte Ulbricht.

Rückschläge und der Weg zurück

Im Nachwuchsbereich gehörte die Rostockerin zur internationalen Spitze. 2019 gewann sie Silber bei der U20-Europameisterschaft, 2017 wurde sie Vierte bei der U18-WM. Danach folgten Verletzungen und Rückschläge, unter anderem musste sie am Ellbogen operiert werden. Der Übergang in die Erwachsenenklasse geriet ins Stocken, Ulbricht verlor zeitweise den Spaß und die Selbstsicherheit.

Mehrfach dachte sie darüber nach, ihre Karriere zu beenden. „Ich habe oft darüber nachgedacht, warum ich mir das Training jeden Tag antue, wenn es sich nie lohnt“, sagte sie vor der EM. Trotzdem blieb sie dabei. 2025 knackte Ulbricht erstmals die 60-Meter-Marke. Mit 61,02 Metern war sie sogar deutsche Jahresbeste. Für eine WM-Teilnahme reichte es dennoch nicht, weil sie bei den Deutschen Meisterschaften verletzt antrat.

In diesem Jahr stabilisierte sie sich auf deutlich höherem Niveau. Bei den Deutschen Meisterschaften in Bochum warf sie 61,58 Meter – persönliche Bestleistung, deutscher Meistertitel, EM-Norm und Kadernorm.

Training in Australien und Finaleinzug

Vor der Saison verbrachte Ulbricht mehrere Wochen in Australien und trainierte dort unter anderem bei Uwe Hohn und der ehemaligen Weltklassewerferin Kathryn Mitchell. Hohn ist eine Legende – zu DDR-Zeiten warf er den Speer mehr als 100 Meter weit, Weltrekord. Ein Verbands-Trainingslager war es nicht. „Ich habe das als Trainingslager genommen, weil mir ja keins vom Verband finanziert wurde“, hatte sie vor der EM gesagt.

In Birmingham bestätigte sie dann ihre starke Saison. Schon in der Qualifikation wurde Ulbricht mit 60,86 Metern Zweite. Im Finale fehlten ihr mit 61,53 Metern gerade einmal fünf Zentimeter zur persönlichen Bestleistung.