Babywald in Neubrandenburg: Großeltern finden ihre Bäume kaum wieder
Babywald: Großeltern finden Bäume kaum wieder

Drei Enkel, drei Lebensbäume: Eine Neubrandenburger Familie hat über mehrere Jahre hinweg im Babywald hinter dem Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Bäume gepflanzt. Den ersten, eine Traubeneiche, setzte sie 2012 gemeinsam mit ihrem Enkel in die Erde. Später führte sie diese Tradition für zwei weitere Enkel fort. Heute hingegen finde man die Kleinen im hohen Gras kaum wieder, meint die Familie und kritisiert den Zustand des Babywalds: „Fühlt sich überhaupt noch jemand dafür zuständig?“

Kein verwahrloster Eindruck

Die kurze Antwort lautet: Ja. Ein Besuch Ende Juli zeigt zwar keine fein herausgeputzte Parkanlage. Vergessen oder sich selbst überlassen wirkt der Babywald aber nicht. Ein Schild am Klinikgebäude weist den Weg, hinterm Klinikum steht am Eingang noch immer der mit zahlreichen Nuckeln behängte Schnullerbaum. Der Babywald ist frei zugänglich, breite gemähte Wege führen durch den Bestand. Drei große Tafeln erinnern mit Namen und Geburtsdaten an die Kinder, für die hier einst Bäume gepflanzt wurden.

Darunter sind auch Luca, Lian und Nils. Ihre kleinen Setzlinge von damals sind heute Teil eines teils dichten jungen Waldes. „Inzwischen ist aus dem Babywald ein ‚Urwald‛ geworden und die Natur ist dabei, sich die Fläche vollends zurückzuholen“, schrieb die Familie dem Nordkurier. Sie erinnert sich noch gut daran, wie stolz die Kinder ihre Bäumchen pflanzten und später deren Entwicklung verfolgten. „Dass heute aber das Gras und das Unkraut so manches Bäumchen überragt, gibt keinen so schönen Anblick her.“

Vom Pflanzfest zum Wald

Aktuell stehen im Babywald zwischen den Wegen unterschiedlich große Bäume. Einige sind bereits zu einem dichten Bestand herangewachsen, andernorts wachsen jüngere Bäume zwischen hüfthohem Gras. Schutzpfähle und Anbindungen zeigen, dass auch später noch gepflanzt und gepflegt wurde. Müll, Vandalismus oder größere Schäden sind nicht zu erkennen.

Der Babywald war ab 2008 als Gemeinschaftsprojekt des Nordkurier, der Stadt, des Klinikums und weiterer Partner entstanden. Bei zehn Pflanzfesten setzten Eltern, Großeltern und andere Angehörige nach Angaben von Stadtförster Carsten Düde insgesamt rund 450 Lebensbäume. Nachdem die Fläche nahezu gefüllt war, endeten die Babywald-Pflanzfeste 2014.

Danach kamen bei zwei Schulprojekten noch Bäume hinzu. Auch später wurde die Fläche weiter ergänzt: Ein Schild erinnert daran, dass Kinder der Neuwoba-Kindergenossenschaft im November 2019 weitere 100 Rotbuchen pflanzten.

Pflege und Entwicklung

Vor allem in den ersten Jahren machte der Babywald viel Arbeit, erinnert sich Carsten Düde. Weil die Fläche etwas erhöht liege und Wind und Sonne ausgesetzt sei, mussten die jungen Bäume intensiv gewässert werden. Die Stadtförsterei mähte außerdem regelmäßig zwischen den Setzlingen und ersetzte einen Großteil der ausgefallenen Bäume.

Das sei heute nicht mehr nötig, erklärt Düde, weil die Kronen allmählich dichter würden und weniger Licht auf den Boden falle. Die Wege würden weiterhin ein- bis zweimal jährlich freigeschnitten, um den Schnullerbaum kümmere sich das Klinikum.

Dass einzelne Flächen wilder aussehen als früher, ist damit kein Zeichen, dass die Stadt den Babywald aufgegeben hat – es gehört zum ursprünglichen Ziel. Künftig soll die Fläche in die reguläre Pflege des Stadtwalds aufgenommen werden. Auch der Zaun soll eines Tages verschwinden: Er schützte die jungen Bäume vor Wildverbiss, wird aber mit zunehmender Größe des Bestandes nicht mehr benötigt.

Herausforderungen und Zuordnung

Ganz problemlos entwickelte sich der Wald dennoch nicht. Der Untergrund ist stellenweise durch frühere Bauarbeiten gestört. Besonders auf einer kleinen Fläche rechts hinter dem Eingang müssten die Bäume noch kämpfen, sagt Düde. Einige Eichen wurden wegen des Baus des benachbarten Hubschrauberlandeplatzes umgesetzt. Auch die anfangs gepflanzten Traubeneichen kamen mit dem Standort nicht immer gut zurecht.

Das könnte erklären, warum Familien ihren ursprünglichen Baum heute möglicherweise nicht mehr finden. Eine dauerhafte Kennzeichnung jedes einzelnen Lebensbaumes war allerdings aus forstlicher Sicht auch nie vorgesehen. Es sollte vermieden werden, so der Stadtförster, dass ein bestimmter Baum auf Jahrzehnte verbindlich einem Kind zugeordnet werde – schließlich können Setzlinge eingehen, ersetzt oder umgesetzt werden.

Als Kompromiss erhielten die Familien damals Namensschilder aus Papier. Manche schmückten die Bäume zusätzlich mit Schnullern, kleinen Figuren oder anderen Erinnerungsstücken. Die Schilder sollten jedoch mit der Zeit verwittern.

Dauerhaft erhalten blieben stattdessen die Namen und Geburtsdaten auf den großen Tafeln. Für die Familien bedeutet das: Der Name ihres Kindes bleibt mit dem Babywald verbunden. Welcher Baum genau einmal für dieses Kind gepflanzt wurde, lässt sich jedoch häufig nicht mehr feststellen.

Wer dazu weitere Fragen hat, könne sich direkt an den Stadtförster wenden, sagt Carsten Düde. Mit der Entwicklung des Babywaldes ist er zufrieden. Trotz der Trockenheit der vergangenen Jahre seien die meisten Bäume vergleichsweise vital und hätten sich gut durchgekämpft. „Wir haben die Fläche als Wald gut etabliert“, sagt Düde: „Das wird ein schöner Mischwald.“