Usedom-Liebhaberin will nach NDR-Doku nicht mehr auf die Insel
Usedom-Liebhaberin will nach NDR-Doku nicht mehr hin

Seit über 50 Jahren verbringt Ines Wagner ihren Urlaub auf der Ostseeinsel Usedom. Sie liebt die Insel so sehr, dass sie in der Ostsee beerdigt werden möchte. Doch nach dem Ansehen einer NDR-Dokumentation über die medizinische Versorgung auf der Insel will sie nicht mehr dorthin reisen.

Kein Krankenhaus auf der Insel

Die NDR-Doku zeigt, dass Usedom kein Krankenhaus besitzt. Die Retter müssen oft einen Wettlauf gegen die Zeit führen, weil Reise- und Pendelverkehr die Zufahrten verstopfen. Wenn die Inselbrücken für den Schiffsverkehr öffnen, bleibt den Rettern häufig nur die Luftrettung. Der in Greifswald stationierte Rettungshubschrauber Christoph 47 startet bis zu achtmal am Tag zur Ostseeinsel.

Ines Wagner, die seit ihrer Kindheit auf Usedom Urlaub macht, sagt: „Ich liebe die Insel und die Menschen; sie sind wie meine zweite Heimat.“ Die 58-Jährige lebt in Knittlingen (Baden-Württemberg) und fährt jedes Jahr zehn Stunden mit ihrem Partner Michael Hoffmann auf die Insel. Zu DDR-Zeiten zeltete ihre Familie oft in Ückeritz, heute bucht sie ihre Ferienwohnung meist in Bansin.

Schock über fehlendes Krankenhaus

Der Bericht hielt ihr vor Augen, in welche Gefahr sie sich begibt. „Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht“, sagt sie. Wegen zahlreicher Allergien, die in letzter Zeit zunahmen, ist sie auf schnelle ärztliche Hilfe angewiesen. „Bisher fühlte ich mich immer sicher, aber seit ich gesehen habe, dass es gar kein Krankenhaus auf der Insel gibt, denke ich anders darüber. Das ist ja furchtbar, ich war richtig geschockt.“

Besonders berührte sie eine Szene: Ein Krankenwagenfahrer versuchte, eine telefonische Verbindung zu einem Arzt herzustellen, aber die Verbindung brach ständig ab. „Er wusste gar nicht, was er spritzen sollte. Zum Glück konnte er sich auf seine eigene Erfahrung verlassen. Aber ich denke mir, das ist gefährlich.“

Ausweichen nach Rügen

Ines Wagner hat ihr Notfallset immer dabei, auch am Ostseestrand. Trotzdem hat sie Angst, denn bei einem allergischen Schock ist sie schnell auf medizinische Hilfe angewiesen. „Wenn man nicht mehr aus dem Allergieschock herauskommt, ist man verloren. Dann hat man keine Chance mehr.“

Sie glaubt, dass sie nach Rügen ausweichen wird: „Mir bleibt gar nichts anderes übrig.“ Dieser Schritt fällt ihr schwer. „Ja, es ist so traurig. Ich liebe diese Insel. Sie ist meine zweite Heimat. Ich habe schon festgelegt, dass man mich in der Ostsee beerdigen soll. Aber ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich bin echt verzweifelt, weil ich lieber nach Usedom kommen würde.“

Usedom verzeichnet jedes Jahr knapp vier Millionen touristische Übernachtungen. Die nächsten Krankenhäuser liegen in Wolgast, Anklam, Greifswald und Ueckermünde.