Buckelwal im Greifswalder Bodden: Bakterielle Infektion als Todesursache vermutet
Buckelwal: Bakterielle Infektion als Todesursache vermutet

Der im Greifswalder Bodden gefundene tote Buckelwal ist vermutlich an einer bakteriellen Infektion verendet. Das Deutsche Meeresmuseum kommt auf Grundlage vorläufiger Untersuchungsergebnisse zu diesem Schluss. Es besteht der Verdacht auf eine Sepsis. Ergebnisse der Untersuchung von Proben, etwa zur Art des Bakteriums, stehen noch aus.

Fund und Zustand des Tieres

Der Buckelwal war vergangenen Donnerstag zwischen der Insel Rügen und dem Festland auf dem Rücken im Wasser treibend entdeckt worden. Den wahrscheinlichen Todeszeitpunkt gibt das Deutsche Meeresmuseum mit Mittwoch oder Donnerstag vergangener Woche an. Es handelt sich um ein etwa zehn Meter langes Männchen mit einem Gewicht von sieben Tonnen. Das Alter wird mit drei bis vier Jahren angegeben. Äußerliche Verletzungen etwa von Schiffsschrauben oder Netzen wurden nicht gefunden.

Allerdings fanden die Wissenschaftler zwei rundliche Öffnungen im hinteren Rückenbereich. Dort befand sich ein von innen nach außen ausgetretener Abszess, der vom Knochen bis nach außen reichte. Die dortigen Wirbelfortsätze waren teils porös. Weitere mit Eiter gefüllte Abszesse wurden im Bereich der Wirbelsäule und am Kugelgelenk des rechten Flippers, der Brustflosse, entdeckt.

Befunde der Sektion

Die Haut war von der Kopfspitze bis zur Finne, also der Rückenflosse, rotbräunlich verfärbt. Die obere Hautschicht fehlte großflächig. Der Magen, Dünn- und Dickdarm waren leer. Im Dickdarm befand sich lediglich im hinteren Teil eine geringe Menge bräunlichen Inhalts. Die Fettschicht war sechs Zentimeter dick, was auf eine längere Hungerphase hinweist. An einer Stelle der Fettschicht, auch Blubberschicht genannt, in der Nähe des linken Schulterblatts wurde zudem geringer Parasitenbefall festgestellt. Ansonsten war das Tier parasitenfrei.

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee hatte den Wal geborgen. Den Zustand des Kadavers beschrieben die Experten als äußerlich noch frisch. Wegen der hohen Wasser- und Lufttemperatur hatte sich das Tier aber schon teilweise aufgebläht durch die Bildung von Fäulnisgasen. Am Freitag hatte die Verwesung bereits zur anfangenden Zersetzung der Organe geführt. Gewebeproben des Gehirns, der Lunge und der Nieren konnten nicht mehr entnommen werden.

Herausforderungen bei der Untersuchung

Die Untersuchung fand am Freitag und Samstag statt, teils bei 30 Grad, wie eine Sprecherin des Deutschen Meeresmuseums gesagt hatte. Schatten gab es für die 13 beteiligten Wissenschaftler demnach nicht. Das Unterfangen war selbst für Hartgesottene mitunter herausfordernd, etwa als die ballonartig aufgeblähte Zunge des Meeressäugers aufgeschnitten wurde und die dort angesammelten Fäulnisgase entwichen.

Nach Aussage der Sprecherin ist anzunehmen, dass es sich um das vorher schon vor der Küste Schleswig-Holsteins, später im Wismarer Hafen und auch vor der polnischen Küste gesichtete Tier handelt. Es gebe zwar keinen hundertprozentigen Nachweis, aber die Hautverfärbung sei recht spezifisch. Zudem befanden sich die Abszesse an der Wirbelsäule und an der Brustflosse an Bereichen, die das Tier zum Schwimmen brauchte. Die Abszesse könnten somit die Haltung des gesichteten Tiers erklären, die einer Meeresbiologin der Einrichtung merkwürdig erschien.