Flughafen Rostock-Laage: Wirbel um Deal mit Millionenbetrüger
Flughafen Rostock-Laage: Wirbel um Deal mit Millionenbetrüger

Schwere Vorwürfe rund um den Verkauf des Flughafens Rostock-Laage sorgen für Aufruhr: Ein Bericht der "Welt" bringt den verurteilten Windkraftbetrüger Hendrik Holt mit der Übernahme des Regionalflughafens in Verbindung.

Holt soll Deal aus dem Gefängnis eingefädelt haben

Hendrik Holt wurde im Jahr 2020 festgenommen und später wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs mit erfundenen Windparkprojekten zu acht Jahren Haft verurteilt. Laut dem "Welt"-Bericht soll Holt den Flughafen-Deal im vergangenen Jahr aus dem offenen Vollzug heraus über Mittelsmänner eingefädelt haben.

Betreiberin weist Darstellung zurück

Die heutige Betreiberin des Flughafens und Geschäftsführerin der Betreibergesellschaft Crisp Partners, Ira Lauth, weist diese Darstellung auf NDR Nachfrage entschieden zurück. Sie räumt aber ein, Holt zu kennen. Bekannt gemacht habe sie ein früherer Journalist des Springer-Verlags, zu dem auch die "Welt" gehört.

Der Kontakt sei zustande gekommen, nachdem der Vorbesitzer, die Zeitfracht-Gruppe, über Monate hinweg vergeblich nach Investoren gesucht habe. Auch Holt sei anfangs an gemeinsamen Sondierungsrunden mit dem Verkäufer beteiligt gewesen, so Lauth. Aber: "Gekauft hat Holt überhaupt nichts. Das sind private Mittel." Dass Holt den Flughafen erworben habe, sei faktisch falsch. Gegen die Berichterstattung wolle Ira Lauth nun presserechtlich vorgehen.

Vertrauliche Dokumente veröffentlicht

Die "Welt" stützt ihre Berichterstattung dagegen auf Aussagen von Personen, die mit dem Vorgang vertraut sein sollen und auf interne Dokumente, etwa von "Crisp Energy", einer Marke der heutigen Betreibergesellschaft. Darin hieße es: "Unsere Geschäftspartnerschaft mit Holt Holding S.A. bringt umfassende Erfahrung in der Projektentwicklung von Großanlagen für erneuerbare Energien sowie Expertise bei Börsengängen in unser Team ein."

Offene Millionen: Streit um Kaufpreis

Neben einer Partnerschaft mit Holt weist Ira Lauth auch Aussagen zurück, denen zufolge es massive Zahlungsprobleme bei Crisp Partners gebe. Ja, es stimme, dass vom vereinbarten Kaufpreis in Höhe von 3,1 Millionen Euro bislang lediglich eine erste Tranche von 240.000 Euro gezahlt worden sei. Hintergrund sei, dass es mit der Zeitfracht-Gruppe seit Monaten erhebliche Streitigkeiten über den Kaufpreis gebe. Nach der Übernahme seien unerwartete Kosten aus Garantieansprüchen aufgetaucht, über die man vorab nicht informiert worden sei.

Verdacht auf gezielte Schmutzkampagne

Hinter den Veröffentlichungen in der "Welt" vermutet Ira Lauth eine gezielte Kampagne des Voreigentümers Zeitfracht, um Druck auf sie auszuüben. Zudem sei mit der Weitergabe interner Vertragsdetails an die Presse gegen vertragliche Verschwiegenheitsklauseln verstoßen worden. Zeitfracht hat sich auf NDR Anfrage dazu noch nicht geäußert.

Fokus auf Solarparks und zivilen Flugbetrieb

Trotz der juristischen Auseinandersetzungen halten die Eigentümer an ihren Ausbauplänen für den Standort fest. Kern des Geschäftsmodells ist die Errichtung großer Photovoltaik- und Speicheranlagen auf den weitläufigen Freiflächen des Flughafens. Die Planungen dafür seien weitgehend abgeschlossen, ein entsprechender Bauantrag beim Landkreis stehe kurz bevor. Die Abstimmungen mit der Bundeswehr, die den militärischen Teil des Standorts nutzt und selbst Investitionen plant, hätten allerdings mehr Zeit in Anspruch genommen als zunächst gedacht.

Gleichzeitig soll der zivile Flugbetrieb gesichert und ausgebaut werden. Neben Verbindungen in Richtung Türkei und Griechenland stehen weitere Urlaubsziele im Fokus, um die Passagierzahlen schrittweise zu steigern.