Nach 24 Jahren: Leitender Notarzt Dr. Thomas Wenzel tritt ab
Nach 24 Jahren: Leitender Notarzt tritt ab

Dr. Thomas Wenzel war 24 Jahre lang leitender Notarzt im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Nun hat er seinen Posten aufgegeben. Seine Nachfolgerin ist Bibiana Metelmann von der Universitätsmedizin Greifswald.

24 Jahre im Einsatz

Seit dem 19. März 2001 war der Mediziner als leitender Notarzt im Landkreis unterwegs. Kürzlich gab er seinen Posten auf und blickt auf 24 Jahre Dienst an der Allgemeinheit zurück – mit langen Nächten, geretteten und auch verlorenen Leben.

Wenn er gerufen wurde, war meist etwas Schlimmes passiert. Laut einer Sprecherin des Landkreises wird der leitende Notarzt in der Regel alarmiert, wenn es fünf oder mehr Notfallpatienten gibt, bei Schadensereignissen, bei denen mit einem Massenanfall von Verletzten oder Erkrankten gerechnet werden muss, und bei einem Großschadensfall.

Koordination bei Großschadenslagen

„Die Patienten mussten alle registriert werden, ihre Anzahl musste eingeschätzt werden und auch ihre Verletzungsmuster, also: ‚Wer hat was?‘ Dann mussten sie natürlich auf die umliegenden Krankenhäuser, wenn sie medizinischer Behandlung bedurften, verteilt werden“, erklärt der 62-Jährige. Der leitende Notarzt übernimmt bei einem Massenanfall von Verletzten oder Erkrankten sowie bei anderen Großschadenslagen die medizinische Einsatzleitung.

Zu seinen Aufgaben gehören insbesondere die medizinische Lagebeurteilung, die medizinische Einsatzführung, die Sichtung und Priorisierung von Patientinnen und Patienten (Triage) sowie die enge Zusammenarbeit mit dem Organisatorischen Leiter Rettungsdienst, der Feuerwehr, den Hilfsorganisationen und weiteren beteiligten Behörden, so der Landkreis.

Einsätze bei Unfällen und Bränden

Auf der Fahrt zum Einsatzort herrscht meistens Ruhe. „Man macht sich so seine Gedanken, weil man ja gar nicht weiß, was einen wirklich erwartet, bis man alle Infos hat“, beschreibt er die „innerliche Unruhe“, die es bei jedem Einsatz gebe. Neben Verkehrsunfällen auf Autobahn oder Landstraßen gehörten auch Hausbrände zu den Einsatzorten: „An zwei, drei kann ich mich erinnern. Das eine war in Wolgast, ein Obdachlosenheim, das andere war auf Usedom, da hat ein Wohnblock gebrannt“, sagt der Notarzt. Auch beim schweren Verkehrsunfall mit einem Linienbus nahe Lühmannsdorf im vergangenen Jahr war er im Einsatz.

Nachfolge und aktuelle Lage

Neben umfangreichem Studium und Praxis gibt es auch andere Fähigkeiten, die für einen leitenden Notarzt wichtig sein können. „Man muss auch lernen, abzuschalten, wenn der Einsatz vorbei ist“, resümiert der ehemalige leitende Notarzt. Manche Dinge könne man nie vergessen, fährt er fort.

Ihm folgt Bibiana Metelmann von der Universitätsmedizin Greifswald nach. Sie wurde im Zuge des Abschieds von Dr. Thomas Wenzel neu zur leitenden Notärztin des Landkreises bestellt. Sie ist Fachärztin für Anästhesiologie und Notfallmedizin sowie standortverantwortliche Notärztin am Notarztstandort an der Universitätsmedizin Greifswald.

Insgesamt sind aktuell (Stand August) 17 leitende Notärzte für den Landkreis tätig. Der Landkreis ist in zwei Bereiche getrennt: Bereich 1 umfasst den Norden mit Greifswald, dem Alt-Landkreis Ostvorpommern, dem Amt Peenetal-Loitz und dem Amt Jarmen-Tutow. Bereich 2 umfasst den Süden, den Alt-Landkreis Uecker-Randow. Je nach Bedarf können leitende Notärzte auch für den jeweils anderen Bereich alarmiert werden.

Dr. Thomas Wenzel tritt mit seinem Abschied als leitender Notarzt zwar kürzer, ist jedoch weiterhin Oberarzt und Anästhesist an der Universitätsmedizin Greifswald.