Steffen Krumm hat erlebt, wie Alkohol ein Leben aus der Bahn werfen kann. Er wurde rückfällig, verlor zeitweise sein Zuhause und trennte sich von seiner Frau. Heute ist der 59-Jährige seit fast zehn Jahren trocken, wieder verheiratet und hilft anderen Menschen dabei, einen Weg aus der Abhängigkeit zu finden.
Rückfällig und obdachlos
Eine entscheidende Rolle spielte dabei Serrahn. „Ich hatte eine hartnäckige Suchtberaterin, die mir sozusagen befohlen hat, nach Serrahn zu gehen. Wenn ich das nicht täte, würde ich sterben“, erinnert sich Steffen Krumm. Von 2012 an lebte er eineinhalb Jahre in dem Ort, in dem das Serrahner Diakoniewerk mehrere Einrichtungen für Menschen mit Suchtproblemen und anderen persönlichen Krisen betreibt.
Dort fand Krumm zum Glauben und ließ sich taufen. Doch sein Weg aus der Abhängigkeit verlief nicht geradlinig. „Dann bin ich noch einmal rückfällig geworden und war zwei Jahre in Güstrow obdachlos“, erzählt er. Seine Frau Martina trennte sich in dieser Zeit von ihm. „Ich habe das einfach nicht mehr ausgehalten und bin krank geworden“, sagt sie.
Ein zweites Ja nach schweren Jahren
Dennoch nahm die gemeinsame Geschichte ein glückliches Ende. Nachdem Steffen Krumm sein Leben wieder in den Griff bekommen hatte, fanden beide erneut zueinander. Im Jahr 2023 heirateten sie ein zweites Mal. „Das war nur durch Vergebung möglich“, sind sie überzeugt. Inzwischen sind beide gläubig. Ihre bewegende Geschichte hat Steffen Krumm in einem Buch festgehalten.
Seine Erfahrungen gibt er heute an andere Menschen weiter. Von 2021 bis 2024 arbeitete er hauptamtlich für den Landesverband Mecklenburg-Vorpommern des Blauen Kreuzes. Inzwischen ist er ehrenamtlich als Suchtberater tätig. Außerdem besucht er Schulen, um Kinder und Jugendliche über die Gefahren von Alkohol und anderen Suchtmitteln aufzuklären. „Gerettet sein, bringt Rettersinn“ lautet ein Leitsatz des Blauen Kreuzes. Er beschreibt, warum sich viele Menschen, die selbst eine Abhängigkeit überwunden haben, später für andere Betroffene engagieren.
Jubiläum an einem geschichtsträchtigen Ort
Die Geschichte von Steffen Krumm war eine von mehreren bewegenden Lebensgeschichten, die bei der fünften Landeskonferenz des Blauen Kreuzes in Serrahn zu hören waren. Knapp 200 Gäste feierten dort das 15-jährige Bestehen des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Dass das Jubiläum in Serrahn begangen wurde, kam nicht von ungefähr: Bereits 1971 begann Heinz Nitzsche dort mit der Arbeit für alkoholkranke Menschen.
Heute gibt es in Mecklenburg-Vorpommern 23 Blau-Kreuz-Gruppen. Dort finden Menschen, die trocken geworden sind oder den Weg aus der Abhängigkeit suchen, Ansprechpartner und können sich regelmäßig mit anderen Betroffenen austauschen. Hinzu kommen sechs befreundete Gruppen.
„Die Abstinenz legt einiges frei“
Eine der Gruppen wird von Annett Fischer in Sassnitz geleitet. Auch sie kennt den schwierigen Weg aus der Alkoholsucht. Erst nach ihrer dritten Therapie gelang es ihr, die Abhängigkeit zu überwinden. „Die Abstinenz legt einiges frei, und man muss mutig sein, sich diesen freigelegten Problemen zu stellen“, sagt sie. Heute arbeitet Annett Fischer als Lehrerin. Viel Sport, ihr Glaube an Gott und bewusst eingeplante Zeiten für sich selbst helfen ihr dabei, stabil zu bleiben.
Blaues Kreuz will bekannter werden
Franz-Peter Spatz steht dem Landesverband seit drei Jahren als Vorsitzender vor. „Wir wollen den Zusammenhalt stärken und Netzwerke bilden“, beschreibt er ein wichtiges Ziel des Verbandes.
Vier Jahre lang war Matthias Kohlstedt mit dem „Blauen Mobil“ in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs. Gemeinsam mit Mitstreitern informierte er vor Ort über die Hilfsangebote und die Arbeit des Blauen Kreuzes. Wie notwendig diese Öffentlichkeitsarbeit ist, zeigte sich in den Gesprächen: „80 Prozent derjenigen, die ans Mobil kamen, hatten zuvor noch nie etwas vom Blauen Kreuz gehört“, berichtet Franz-Peter Spatz. Inzwischen ist das Fahrzeug in einem anderen Landesverband im Einsatz.
Informationen zu den Gruppen und Angeboten des Blauen Kreuzes sind unter www.blaues-kreuz.de zu finden.