Der umgebaute Gefangenentransporter Adenauer SRP+ des Zentrums für politische Schönheit (ZPS) war am Mittwoch in Neubrandenburg zu Gast. Eigentlich sollte der Bus auf dem Marktplatz stehen, wo die AfD ein Bürgerfest veranstaltete. Die Behörden ließen die räumliche Nähe jedoch nicht zu, wie die Aktivisten berichten.
Ausweichplatz statt Marktplatz
Stattdessen stand der Bus auf dem windigen Rathaus-Vorplatz am Engelsring. Aus dem Soundsystem erklang am Nachmittag Rapmusik, die jedoch im Straßenlärm kaum zu hören war. Die Aktivisten hatten sich den Platz nicht ausgesucht, sondern mussten ausweichen, weil den Behörden der Standort am Marktplatz zu heikel gewesen sei.
Das ZPS war nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bereits mehrere Tage in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs, besuchte Kundgebungen und zuletzt eine Schule in Laage bei Rostock. „Wir unterstützen demokratiefördernde Veranstaltungen“, sagte Sven aus der Aktivistengruppe, der seinen Nachnamen nicht nennen wollte.
Stabile Menge gegen den Rechtsruck
Für eine Gegendemonstration seien sie nach Neubrandenburg gerufen worden. Dass sie nicht in Hör- und Sichtweite zur AfD stehen konnten, bedauerten sie. „Man befürchtet wohl immer, dass um den Bus schlimme Sachen passieren“, meinte Sven. Er verwies auf frühere Aktionen, etwa rund um AfD-Parteitage. 2025 hatte das Zentrum mit Lautsprechern das Sommerinterview von Alice Weidel in der ARD gestört.
Die Botschaft der Demonstration machte sich der Bus zu eigen: „Wir wollen zeigen, dass es eine stabile Menge an Leuten in Mecklenburg-Vorpommern gibt, die nichts mit dem Rechtsruck zu tun haben wollen“, so Sven. Eine Aktivistin ergänzte: „Wir wollen mit den Menschen ins Gespräch kommen.“ Auch AfD-Anhänger hätten sich in den vergangenen Tagen umgeschaut. „Das finden wir gut. Wir haben ja nichts gegen die Menschen, nur gegen die Meinungen.“ Später sprach SPD-Landtagskandidat Erik von Malottki vor dem Bus.
Das ZPS spricht sich für ein AfD-Verbotsverfahren aus. Der Name des Busses erinnert an das Verbot der rechtsextremistischen Sozialistischen Reichspartei (SRP) im Jahr 1952 unter Bundeskanzler Konrad Adenauer.
Bürgerfest der AfD mit Schlager und Bratwurst
Bei der AfD sah man die Gegenkundgebung gelassen. Beim Bürgerfest am Marktplatz liefen Schlager aus den Lautsprechern, darunter die Hymne „Im Osten“ von Kai Niemann. Robert Schnell, der für die AfD ein Direktmandat in Neubrandenburg anstrebt, sagte: „Solange das friedlich bleibt, ist alles in Ordnung.“ Auch auf dem Marktplatz hätte er nichts gegen den Bus gehabt, die Versammlungsbehörde habe die Lage aber anders eingeschätzt. Die Polizei war sichtbar vertreten.
Die AfD bot neben Musik und Liegestühlen auch Gratis-Bratwurst an. In der Schlange standen vier Jugendliche, die zuvor am Adenauer-Bus Sticker und Infomaterial eingesammelt hatten. „Wir wollen alles mitnehmen“, sagte eine aus der Gruppe. Auf der Turmstraße stand die Partei Die Linke mit einem Wahlkampfstand. Landtagsabgeordneter Torsten Koplin, der ebenfalls zur Wahl antritt, sagte: „Wir können uns nicht beklagen. Wir haben viele Besucher und schon einige gute Gespräche geführt.“
Weitere Aktionen am Freitag
Die AfD plant am Freitag (18. September) eine weitere große Veranstaltung mit Parteiprominenz im HKB. Die Aktivisten um den Adenauer-Bus kündigten an, wieder an einer Kundgebung teilzunehmen. Dieses Mal wollen sie beim „Markt der Vielen“ des Bündnisses „Zusammen bewegen“ auf dem Marktplatz stehen.