Bahnhofsfest in Gramzow begeistert junge und alte Eisenbahnfans
Bahnhofsfest Gramzow: Vater erfüllt Sohn Adrian Wunsch

Die Sonne meinte es am Wochenende gut mit den Festveranstaltern. Auch in Gramzow profitierten die Macher des Bahnhofsfestes von dem hervorragenden Wetter. Aus Nah und Fern schwärmten die Besucher herbei. Gleich zu Beginn mischte sich auch Andrej Machunsky mit Sohn Adrian unter die Massen.

Anreise aus Altlandsberg

Der Neunjährige hatte unbedingt mit dem Museumszug und der „Ferkeltaxe“ fahren wollen, erklärte sein technikbegeisterter Vater. Dafür hatte er selbst dann gern die Anreise von Altlandsberg auf sich genommen, setzte er lachend hinzu: „Es war ja nur Ferienbeginn und Tempo 20 auf der Autobahn …“ Aber spätestens am Bahnsteig waren die Strapazen dann bei allen vergessen.

Historische Uniform und laute Ansagen

Weithin vernehmbar wies dort Raul Stoll in historischer Uniform mehrmals am Tag mit lauter Stimme auf die Ankünfte der schnaufenden Stahlrösser hin. „Damals gab es ja noch keine Lautsprecherdurchsagen“, erklärte der als Teamleiter bei der DB beschäftigte Mann sein „Schreien“: „Es gibt da einen Trick, dass man nicht heiser wird.“ Voller Begeisterung erklärte der einstige Fahrkartenverkäufer den Gästen später den Fuhrpark der Gramzower Enthusiasten. Er selbst engagiert sich bei der Märkischen Kleinbahn und war für die beiden Festtage nur als „Gastarbeiter“ in die Uckermark entsandt worden.

Museumsbahn aus zwei Epochen

Die Museumsbahn sei hier mit Personenwagen aus zwei Zeitepochen ausgestattet, einmal aus den 1930er Jahren, einmal aus den 1970er Jahren der DDR. „Die ersten Modelle hatten noch Fenster zum Herunterziehen. Klimaanlagen kannte man damals ja nicht. Später wurden dann Klappfenster verbaut“, so der „Reichsbahninspektor“. Die Holzklasse wich später Waggons mit gepolsterten Sitzen. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 80 km/h.

Die „Ferkeltaxe“

Bestaunt von den Besuchern wurden aber auch die „Ferkeltaxen“, in denen in den 1950er Jahren die Landwirte sogar das eine oder andere kleine Schwein befördert haben sollen, wie Stoll auf Nachfrage bestätigte: „Daher der kuriose Name.“ Die sparsamen Schienenbusse seien jahrelang ein wahrer Segen gewesen, versicherte der Eisenbahner: „Sonst wären viele Strecken wohl schon viel eher stillgelegt worden.“

Einsatz aus Leidenschaft

Raul Stoll kennt die Historie von der ersten Stunde an noch aus den Erzählungen seines Großvaters, „der Virus ist mir quasi in die Wiege gelegt worden. Opa war begeisterter Bahnschlosser und hat letztlich den Ausschlag dafür gegeben, dass ich auch in diese Branche ging.“ Nach dem Fachabitur und dem Marinedienst „heuerte“ der 48-Jährige deshalb kurzentschlossen bei der DB an und kann sich bis heute nichts Schöneres vorstellen als diesen Job.

Unterstützung aus Baden-Württemberg

Das bestätigte Zugleiter Jan Hartwig, der an den beiden Tagen den Hut aufhatte, was den reibungslosen Ablauf des Betriebes an den Gleisen anbelangte. Er war sogar aus Baden-Württemberg angereist, um die Gramzower Eisenbahnfreunde bei ihrem großen Event zu unterstützen. Der Lokführer freute sich sehr über den Einsatz in der alten Heimat, die er des Jobs wegen einst vor über 20 Jahren verlassen hatte. Nicht nur für ihn war es ein langersehntes Wiedersehen in der Uckermark, auch in den Besucherreihen outeten sich viele als gebürtige Prenzlauer oder Gramzower, die sich eigens für das Fest an den Bahngleisen wieder auf den Weg gen Norden gemacht hatten.

Besondere Attraktionen

Museumsleiter Dieter Engel hatte vorab gesagt, dass es zu den guten Gepflogenheiten gehört, den Besuchern des Festes neben den museumseigenen Attraktionen immer etwas Besonderes zu bieten. In diesem Jahr gaben er und sein Team den hundertfach erschienenen Fans Einblicke in schmalspurige Feldbahnlokomotiven. Eigens für das Bahnhofsfest 2026 war an beiden Tagen auch die betriebsfähige Feldbahndiesellok „Lotte“ zu Gast. Besucher konnten ergänzend sogar auf dem Gleiskraftwagen SKL-25LK von Damme bis Eickstedt fahren, damit wurden früher die Arbeiter befördert. Auch Mitfahrten auf einer Garten-Dampfbahn wurden angeboten. Auf dem Bahnhofsgelände in Gramzow war zudem eine Mitfahrt auf dem Führerstand der Kleindiesellokomotive Kö möglich. Zudem stand eine schmalspurige Handhebeldraisine zum Selbstfahren bereit, die von vielen Familien begeistert bestiegen wurde.

Ausstellungen und Modelleisenbahn

Im Lokschuppen wurde zur Freude der Besucher eine Modellbahnanlage vorgeführt. Eine Sonderausstellung zeigte zudem Fotoarbeiten mit dem Titel „Porträts im Spannungsfeld von Geschichte und Technik“ von Ralf Bauer. Ergänzend gab es eine Ausstellung zur Klein- und Privatbahngeschichte. Auf dem Stückgutboden des Empfangsgebäudes war außerdem eine Wurzelausstellung zu sehen.

Rundum gelungener Tag

Für die Versorgung der Gäste wurde in Gramzow und Damme ebenfalls vortrefflich gesorgt. Händlerstände ergänzten das Angebot. „Ein rundum gelungener Tag“, befand wohl jeder, der Stunden später mit glänzenden Augen das Museumsgelände verließ. Auf ein nächstes Mal!