Bücherstube Stolterfoht: Inhaber Frank Bartling mit 64 gestorben
Bücherstube Stolterfoht: Inhaber Frank Bartling tot

Die kleine Buchhandlung Stolterfoht im Glaskasten an der Hamburger Rothenbaumchaussee trauert um ihren langjährigen Inhaber Frank Bartling. Wie seine Familie bestätigte, starb der Buchhändler am vergangenen Samstag im Alter von 64 Jahren.

Buchhandlung bleibt vorerst geöffnet

Der Buchladen hat geöffnet – äußerlich sind keine Spuren von Trauer zu sehen. „Entsetzlich“, sagte eine Kundin, die mit Tränen in den Augen hereinkam. Dass Frank Bartling gestorben ist, hat sich bereits herumgesprochen. „Das ist das Werk meines Bruders. Er hat die Buchhandlung am 2. Januar 1997 übernommen. Damals noch mit einem Teilhaber gemeinsam“, sagte Uwe Bartling. Gemeinsam mit den wenigen Mitarbeiterinnen will er den Laden zunächst offen halten, obwohl er selbst kein Buchhändler ist. „Ich stehe hier, weil es weitergehen muss. Ich bin kein Buchhändler, aber natürlich jetzt aus der zweiten Reihe in die erste getreten. Notgedrungen und freiwillig. Ich schulde es ihm.“

Ein Leben für die Literatur

Frank Bartling hat Soziologie und Literatur in Hamburg studiert. Die Familie stammt ursprünglich aus Niedersachsen. Wer die Buchhandlung betrat, die er von den Gründerinnen übernommen hatte, traf mit ziemlicher Sicherheit auf ihn. Der unter Denkmalschutz stehende Glaskasten hat nur 44 Quadratmeter. Bartling, mit weißen Haaren und Bart, saß immer hinten an einem Tisch voller Bücher. Viele Stammkunden gingen hier ein und aus, und auch Literaten, wie er selbst dem NDR erzählte: „Hans Erich Nossack war hier immer vorm Fenster und kam hier rein. Und Hubert Fichte kam hier rein. Horst Janssen war hier drin, viele Saufgelage gab es hier.“ Was in den Regalen stand, hatte Bartling mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit selbst gelesen: „Ich weiß einfach, für wen ich was vorsehe“, sagte er damals dem NDR.

Ausstellung in der Zentralbibliothek

In der Zentralbibliothek am Hühnerposten ist eine Ausstellung über die Buchhandlung zu sehen. Der Pavillon ist ein besonderer Bau des Architekten Werner Kallmorgen und steht unter Denkmalschutz. Die Ausstellung zeigt auch Fotos von Bartling. Anderthalb Jahre hat der Fotograf Ulrich Hermannes dafür mit ihm verbracht. „Was seine Beziehung zur Literatur und seinem Laden betrifft kann man sagen, es war ein vollkommen symbiotisches Verhältnis. Er war Eins mit dem Ort und dem Inhalt. Das hat ihn ausgefüllt“, erzählte Hermannes.

Enzyklopädisches Gedächtnis

Über Persönliches sprach Bartling ungern, dafür gerne lange und ausführlich über Literatur. Sein Bruder Uwe sagte, dass Frank ein enzyklopädisches Gedächtnis hatte: „Mein Bruder hätte Ihnen genau sagen können, wie das Beziehungsgeflecht in einem Buch war, obwohl er es vor acht Jahren gelesen hat. Nennen wir es einfach mal phänomenal.“

Zukunft ungewiss

Frank Bartling war lange Eigentümer des Pavillons, schenkte ihn dann 2025 der Hamburger Denkmalstiftung und durfte als Mieter bleiben. Vor kurzem erst war der Pavillon aufwendig saniert worden. Wie es nun langfristig weitergeht, ist unklar. Eine Nutzung als Buchladen ist allerdings festgelegt.