Rund 1000 Menschen haben am Samstag in Neustrelitz den Christopher Street Day (CSD) gefeiert. Bei knapp 36 Grad Sommerhitze zog der Demonstrationszug vom Bahnhof durch die Stadt bis zum Markt. Die Veranstalter verstanden die Aktion ausdrücklich als Demonstration, nicht als Parade.
Klares Zeichen gegen Ausgrenzung
Bürgermeister Andreas Grund rief den Teilnehmern auf dem Markt zu: „Ihr habt bei 36 Grad Celsius Neustrelitz ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Ich bin stolz auf euch.“ Dort endete der Zug, der in diesem Jahr auch durch den Stadtteil Kiefernheide führte.
Unter dem Motto „Es reicht“ machten Redner deutlich, dass Sichtbarkeit allein nicht genüge. Annemarie Kröger vom Warener Verein Queer am See sagte: „Hier sehe ich, dass ich nicht allein bin und das macht sehr viel Mut.“ Alice vom Verein Queer NB rief dazu auf, sich entschiedener gegen Anfeindungen zur Wehr zu setzen und klare Haltung zu zeigen.
Unterstützung von Politik und Kirche
Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) betonte: „Der CSD heute ist nicht nur ein Gedenk- und Demonstrationstag, sondern auch ein Symbol unserer Freiheit und Ausdruck unserer Entschlossenheit und Solidarität.“ Sie forderte eine Reform des Artikels 3 des Grundgesetzes und die vollständige rechtliche Gleichstellung von Regenbogenfamilien.
Pastorin Katharina Rosenow trat im Ornat und Regenbogenschal auf und lud die Menschen ein, sich in der Kirche den Segen abzuholen. Auch Landtagsabgeordneter Torsten Koplin (Die Linke) fuhr im Umzug mit, der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Arlt und der frühere Stadtpräsident Ernst August von der Wense (CDU) waren ebenfalls vor Ort.
Friedlicher Verlauf trotz Störung
Der CSD stand unter hohem polizeilichem Schutz. In der Nähe des Bahnhofs hatte sich eine Handvoll Menschen zu einer Gegendemo formiert, die dem Zug mit Sprüchen wie „Hier marschiert der deutsche Widerstand“ folgte. Jürgen Krämer, der seit 31 Jahren mit seinem Partner zusammen ist, sagte: „Jetzt stehen wir hier und viele andere auch, die es lieber bunt haben wollen.“
Thomas Kowarik vom Organisationsteam bezeichnete den Verlauf als „ruhig, fröhlich und entspannt“. Die Polizei sprach von einem „friedlichen und störungsfreien Versammlungsgeschehen“. Die CSD-Community richtete bei der Kundgebung einen Extra-Applaus an die Ordnungshüter.