Doku „Hiddensee“ startet Kino-Tour im Norden
Doku „Hiddensee“ startet Kino-Tour im Norden

Die Dokumentation „Hiddensee“ von Annekatrin Hendel startet ihre Kino-Tour. Gezeigt wird der Film unter anderem in Vitte, Bergen auf Rügen, Schwerin, Bremen und Hamburg. Die Termine beginnen am 13. August 2026.

Ein Blick auf den Insel-Kulturclash

Die Regisseurin Annekatrin Hendel zählt in dem Film all die Intellektuellen auf, die in den goldenen 1920er-Jahren auf Hiddensee waren – „das ‚Romanische Café‘ in der Ostsee, oder das ‚Versteck im Meer‘“. Stummfilmstar Asta Nielsen, Thomas Mann, Mascha Kaléko, Albert Einstein, Helene Weigel, Bertolt Brecht und Käthe Kollwitz sind darunter. Während die Namen genannt werden, fährt die Kamera vom Wasser aus langsam den Strand von Kloster und Vitte ab. Die schwarz-weiß-Bilder machen den Zuschauer zu einem ungebetenen Beobachter.

„Vor acht Jahren hat mich eine gewisse Unruhe befallen“, erzählt Annekatrin Hendel. Sie habe eine Vorahnung gehabt, dass es einen Rechtsruck im ganzen Land und auch global geben würde. Das Große im Kleinen sichtbar zu machen, sei ihr Anliegen gewesen. Deshalb habe sie sich auch mit der Geschichte der Insel beschäftigt, etwa mit den Themen Faschismus und Nationalsozialismus, „über den man gar nicht so gerne spricht“.

Das Hotel Ostsee als Protagonist

Oft war die Filmemacherin bei besonderen Anlässen mit der Kamera dabei, etwa beim Landeserntedankfest 2023, das ohne Beschluss der Gemeindevertretung auf die Insel geholt wurde, oder bei der Auszählung der letzten Wahl, bei der Bürgermeister Thomas Gens die meisten Stimmen bekam. Sie war auch auf dessen Kutter, wo er Fischbrötchen verkauft.

„Ich bin da immer hingefahren, wenn ich dachte, da ist irgendwas los, was für den Film wichtig sein könnte, zum Beispiel das Hotel Ostsee“, erzählt die Filmemacherin. Dieses habe sie als Ruine vorgefunden. Den Prozess der Renovierung, bei dem der „Ost-Mist“ entfernt und das Hotel neu gemacht werde, wollte sie begleiten. Das Hotel wird für sie zu einem Protagonisten.

Musik von Rammstein-Keyboarder Flake Lorenz

Ein Jahr hat Annekatrin Hendel im Schnittraum mit dem Material verbracht. Neben den Künstlern der 1920er-Jahre, die als Marionetten und in Archivmaterial vorkommen, geht es auch um die 1980er-Jahre in der DDR. Für viele wurde Hiddensee damals zu einer Art Ausstieg aus der DDR-Realität. Dazu gehört Flake Lorenz, der mit der Band Feeling B heimlich Punk-Konzerte am Strand spielte und heute Keyboarder bei Rammstein ist.

Er hat die gesamte Filmmusik komponiert. „Er hat Musik aus der Zeit genommen“, erklärt Hendel. Zu hören seien nicht nur Feeling B, sondern auch Kompositionen, die er damals gemacht und auf Kassetten aufgenommen habe. Diese Musik werde zu neuen Kompositionen verwendet, die „supermodern und total interessant“ seien. Die 100 Jahre, die der Film erzählt, gehen in den schwarz-weiß-Bildern unmerklich ineinander über.

„Leider ist es so, dass diese Unruhe, die mich vor acht Jahren befallen hat, sich mehr als begründet herausgestellt hat“, so die Filmemacherin. „Deshalb bin ich froh, dass ich das durchgezogen und den Film gemacht habe. Er soll uns daran erinnern, dass wir gucken müssen: Was ist bei uns eigentlich los? Wer hat welche Agenda und welche Ziele verfolgen die, die nach der Macht streben?“

Termine der Kino-Tour

Die Dokumentation „Hiddensee“ zeigt den Kulturclash auf der kleinen Insel auf subtile, kluge und witzige Art, ohne ihn zu kommentieren. Die Termine im Norden: Vitte (Insel Hiddensee) am Donnerstag, 13.08.2026, 20:00 Uhr im Zeltkino; Bergen auf Rügen am Freitag, 14.08.2026, 17:30 Uhr im UC Kino; Schwerin am Mittwoch, 19.08.2026, 19:30 Uhr im Filmpalast; Bremen am Samstag, 22.08.2026, 17:30 Uhr im City 46; Hamburg am Sonntag, 23.08.2026, 17:00 Uhr im Abaton und 19:00 Uhr in der Zeise.