Eisbus „Gabi“ bringt Pasewalker ins Gespräch und zeigt Alternativen zum Frust
Eisbus „Gabi“ bringt Pasewalker ins Gespräch

Bunt bemalt steht der Eisbus am neuen Stadtteilzentrum in Pasewalk Ost. Monika Baecker reicht ein Softeis nach dem anderen aus dem Fiat-Transporter heraus, der eigentlich „Gabi – der Begegnungs-Eisbus“ heißt. Denn Eis ist an diesem Tag kostenlos, gern mit Streuseln oder Lakritze dekoriert. Wer mag, darf eine Spende geben. Dazu schallt Musik, aufgelegt vom „Kollektiv Eigenklang“, über den Platz und lockt immer weitere Pasewalker an.

Gespräche und Demokratieförderung vor der Wahl

Die Clownin Elly aus Kolumbien und die Musiker animieren die Leute zum Mitmachen, was zuerst gar nicht so einfach erscheint. Einige Jungs versuchen sich beim Rappen. Und die Clownin, Musiker, Monika Baecker und Kerstin Seeger als Unterstützerin in Pasewalk gehen auf die Leute zu, suchen das Gespräch.

Denn vor allem darum geht es bei der Aktion. „Ziel ist, vor den Landtagswahlen mit Leuten ins Gespräch zu kommen und den Demokratiegedanken weiter zu fördern“, sagt Monika Baecker. Sie ist eine von sechs Frauen im Osten von MV, die jeweils in ihren Heimatregionen mit dem Bus unterwegs sind. Sie alle gehören zur landesweiten Initiative „Zusammen bewegen“. Es beschreibt sich selbst als Bündnis für ein solidarisches und gerechtes Mecklenburg-Vorpommern.

Das Bündnis sei überparteilich. Deswegen werde vor Ort nicht der mögliche Wahlsieg der AfD in MV angesprochen. Die Initiative hat aber einen Flyer „Man wird ja wohl noch fragen dürfen“ erarbeitet, der die Positionen der Parteien vergleicht. Danach wolle die AfD entgegen anderer Parteien zum Beispiel keine Mieten begrenzen, fordere Energieimporte statt einer Unabhängigkeit der Energieversorgung und würde den Staatsvertrag mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk des NDR kündigen.

Alternativen zum Frust auf dem Land aufzeigen

Bei ihren Touren hätten die Frauen bemerkt, dass etliche Leute Frust auf die große Politik haben. Möglicherweise, weil so vieles so teuer geworden ist, weil es oftmals keinen Dorfkonsum und keine Gaststätte mehr gibt, weil auf dem platten Land nicht mehr viel los ist. Doch da setzen die Frauen an. „Wir wollen mit dem Eisbus auch zeigen, dass man selbst die Initiative ergreifen kann.“

Es sei keine Lösung, immer nur frustriert zu sein, sagt Monika Baecker. Um Treffpunkte in den Dörfern zu schaffen oder andere Dinge zu bewegen, könnten die Menschen selbst aktiv werden. Gemeinsam. Für mehr Leben und mehr Gemeinschaft in den Dörfern. „Wenn man nur frustriert ist und nichts bewegt, findet auch nichts mehr statt.“

Baecker selbst arbeitet in der lokalen Koordinierungs- und Fachstelle für Demokratie der Stadt Pasewalk mit dem Amt Uecker-Randow-Tal. Für die Eisausgabe und die Gespräche ist sie ehrenamtlich unterwegs. An acht Orten machte sie mit dem Eisbus schon Station. Neben Pasewalk auch in Bröllin, Sandförde, Koblentz und Papendorf. Dazu opfert sie samt Vor- und Nachbereitung jedes Mal acht bis zehn Stunden ihrer Freizeit.

Vom Vorbild zur Nachahmung: Gemeinschaft wächst vor Ort

In Papendorf hatte sich ein großer Teil der Dorfgemeinschaft versammelt, berichtet Beat Sandkühler vom „Kollektiv Eigenklang“. Die wechselnden Mitglieder, die unter anderem in Berlin und Leipzig zu Hause sind, unterstützen das Projekt seit gut zwei Wochen. Es wird gerappt und gesungen.

In Papendorf seien mehr Erwachsene vor Ort gewesen, erzählt Maike Kujawsky aus der Truppe. Man habe darüber gesprochen, wie man Gemeinschaft organisiert und die Zukunft aussehen soll. Oftmals funktioniere so etwas nur nach dem Prinzip Vorbild und Nachahmung. „Man muss erst zeigen, wie man mit Problemen umgehen kann“, sagt sie.

In Pasewalk kommen mehr Kinder. Maike Kujawsky befragt Leute mit dem Mikrofon. Dabei geht es auch immer darum, was ihnen fehlt und was sie sich im Ort wünschen. Dafür scheint der Standort am Stadtteilzentrum gerade gut gewählt zu sein. Denn die Mensa, in der viele Pasewalker seit 2025 mit einem Mittagstisch versorgt wurden, ist seit März wieder geschlossen. Nur der Jugendklub der Volkssolidarität Uecker-Randow und die Landfrauen vom Ortsverband Pasewalk halten hier die Stellung.

Wünsche nach Angeboten und Kantine

Eltern bedauerten in Gesprächen, dass es wenige Ferienangebote für Kinder gebe, berichtet Monika Baecker. „Das Stadtteilzentrum könnte auch ein richtiger Treffpunkt und Standort für ein Café sein“, sagt sie. Kerstin Seeger hörte viele Stimmen zur Kantine, die aus ihrer Sicht wieder öffnen sollte. „Das Stadtteilzentrum sollte seinem Namen wieder gerecht werden.“

Viele Pasewalker freuen sich, dass an diesem Tag in Pasewalk Ost mal wieder was los ist, und natürlich über das kostenlose Eis. Monika Baecker ist sehr zufrieden. „An jedem Ort habe ich um die 100 Eis ausgegeben“, sagt sie. Vor allem habe sie gemerkt, dass die Leute sich mehr Treffpunkte wünschen.

Die Idee zu dem Projekt hatte Jule Sachs aus der Initiative im vergangenen Jahr, erzählt Monika Baecker. Ihre Familie hatte einen Eisladen auf dem flachen Land vermisst. So kam sie auf die Idee, das Eis mit Gesprächen in die Fläche zu bringen. Ein Eisbus wurde erworben, umgestaltet, mit ehrenamtlicher Handwerkerhilfe umgebaut, neu eingerichtet und bemalt. Die Hygieneprüfer gaben grünes Licht.

So tourt „Gabi“ seit Juli durch das Land. Nächste Stationen sind Altentreptow, die Insel Rügen, rund um Greifswald, Tutow, das Tollensetal und im September rund um Dargun, weiß Monika Baecker. Träger des Projekts ist der Pfadfinderbund MV. Es wird gefördert aus dem Programm Zukunftswege Ost, der Schöpflin-Stiftung und dem Europäischen Bürgerfonds. Und dann werde auch das Preisgeld vom Wettbewerb „Machen! 2026“ für die Initiative in die Finanzierung einfließen.