Der Ortsverband Neustrelitz der Amateurfunker baut sich in der Glambecker Straße ein neues Klubheim. Vorsitzender Uwe Winter möchte damit die Faszination des Funkens an junge Menschen weitergeben.
Faszination für drahtlose Kommunikation
Uwe Winter ist seit seinem 13. Lebensjahr von Technologien fasziniert, mit denen Bild und Ton über große Distanzen drahtlos auf elektromagnetischen Wellen durch die Atmosphäre verbreitet werden. Sein älterer Bruder, ein Bastler und Amateurfunker, habe ihm das Hobby nahegebracht, blickt Winter zurück.
Zu DDR-Zeiten war Amateurfunk nur unter dem Dach der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) möglich. Sie diente der vormilitärischen Ausbildung Jugendlicher und bot gleichzeitig den einzigen legalen Rahmen für bestimmte technische Freizeit- und Hobbysportarten. „Tauchen, Segeln, Funken, Schießen – all das gehörte dazu. Für uns Amateurfunker war klar, wo wir den Wehrdienst absolvieren“, sagt er.
DDR ließ Funker nicht unkontrolliert
Die DDR ließ kaum Spielraum, sich selbst ein Bild von der Welt zu machen. Rigide Reisebeschränkungen und das Verbot westlicher Medien befeuerten die Sehnsucht vieler, hinter den Eisernen Vorhang zu schauen. Alle Sportarten, die zu Fluchtversuchen oder unkontrollierter Techniknutzung führen konnten, wurden darum ausschließlich über die GST angeboten.
„Von zu Hause zu funken, war nur in ganz wenigen Ausnahmefällen erlaubt. Es gab damals Clubstationen. Von hier durften die Mitglieder mit ihren Rufzeichen in der Welt kommunizieren“, sagt er. Genau das reizte ihn am Amateurfunk.
Exzellente Tüftler
In der Radio- und Fernsehwerkstatt seiner Großeltern wurde zu DDR-Zeiten so manches Gerät empfangsbereit für Frequenzen gemacht, auf denen der sogenannte Feind sendete. „Amateurfunker sind meist auch exzellente Tüftler“, sagt Uwe Winter.
Ohne ihren Erfindungsreichtum wäre die Telekommunikation wohl niemals so rasant vorangeschritten. 1909 wurde der Physiker Ferdinand Braun zusammen mit dem Funkamateur Guglielmo Marconi mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Ihnen war die erste transatlantische Funkübertragung gelungen.
Mit Menschen in der ganzen Welt sprechen
Als Amateurfunker konnte man – was sonst in der DDR unmöglich war – mit Menschen aus der ganzen Welt sprechen. Diese Faszination ging Winter auch mit dem Fall der Mauer nicht abhanden, obwohl es von da an leichtere Wege gab, die Welt zu erkunden.
Nach der Wende schrumpfte die Amateurfunkerszene in Neustrelitz und zog sich mehr und mehr ins Private zurück. „Im Westen war Amateurfunk eher ein Individual-Sport. Hinzu kam, dass unser Klubgebäude auf dem ehemaligen Elektro-Anlagenbau-Gelände schon Ende der 1980er Jahre wegen Baufälligkeit gesperrt worden war“, sagt Uwe Winter.
Vorliebe für Abkürzungen
Die Neustrelitzer Amateurfunker schlossen sich dem Bundesverband für Amateurfunk Deutschland an – auch bekannt als DARC – was als Abkürzung für „Deutscher Amateur-Radio-Club“ steht. Funker lieben Abkürzungen. „Das stammt noch aus der Zeit, als Funksprüche per Klicksignal gesendet wurden und dafür das Morsealphabet genutzt wurde. Die bekannteste Abkürzung SOS kennt wohl jeder“, sagt Uwe Winter.
Nach vielen Jahren ohne eigene Räume baut sich der Ortsverband jetzt in der Glambecker Straße ein neues Klubheim aus. „Wir wollen wieder mehr Schwung in unser Vereinsleben bringen“, sagt Uwe Winter. Hier wird auch die Adresse für die Amateur-Club-Station Neustrelitz mit ihrer Rufnummer DK Ø NZ beheimatet sein. „Wir haben hier Funktechnik, die auch von jungen Menschen genutzt werden kann. Uns ist es wichtig, unseren Sport der jungen Generation nahezubringen“, sagt Winter.
Um die Wette Kontakte sammeln
Er und seine Mitstreiter sind davon überzeugt, dass Amateurfunk auch im Zeitalter von Internet und Smartphones ein attraktives Hobby ist. „Es vereint Wissenschaft, Technik, Basteln und Sport“, sagt er. Bei regelmäßigen Wettkämpfen geht es beispielsweise darum, mit möglichst vielen Funkern aus verschiedenen Ländern in Kontakt zu kommen. Bei Uwe Winter reihen sich schon etliche Pokale im Regal aneinander.
In jüngster Zeit tritt noch ein anderer Aspekt in den Vordergrund, der den Amateurfunk interessant macht: Krisenversorgung und Unabhängigkeit. „Das haben wir gerade bei den Erdbeben in Venezuela und Kolumbien gesehen. Da war Funk plötzlich das einzige funktionierende Kommunikationsmittel“, sagt Uwe Winter.