Katzenparadies Neustrelitz: Kitten sterben nach erster Impfung
Katzenparadies: Kitten sterben nach Impfung

Der Neustrelitzer Tierschutzverein Katzenparadies verzeichnet Verluste: Katzenkinder sterben in der Einrichtung kurze Zeit nach ihrer ersten Impfung. Die Ursachen sind umstritten, wie die Vereinsvorsitzende und zwei Tierärzte berichten.

Verein berichtet von Todesfällen nach Impfung

Manuel Jeschke, Vorsitzende des Vereins Katzenparadies Neustrelitz, beschreibt die Situation: „Wir sprechen ein Thema an, das gern totgeschwiegen wird. Es geht um Kitten, die kerngesund sind, die mit Mama oder auch ohne zu uns kommen, die Quarantäne überstehen, spielen und fressen und einfach quietschfidel sind. Dann die erste Impfung. Danach können wir zugucken, wie sich ihr Zustand verschlechtert. Fieber bis 42 Grad. Sie liegen da, mehr tot als lebendig, und bemerkt man es nicht sofort, sind sie wenige Stunden später tot.“

Jedes Jahr trete dies im Verein auf, aktuell erneut. Erst sei ein Kitten betroffen, dann das nächste. Manche Tiere seien weniger stark betroffen, andere stürben trotz sofort eingeleiteter Maßnahmen. „Und ihr glaubt nicht, wie vielen Vereinen das so geht“, so Jeschke.

Tierarzt sieht Stress als Ursache

Der behandelnde Tierarzt Dr. Andreas Nadler aus Neustrelitz führt das Sterben der jungen Katzen auf Stresssituationen zurück, nicht auf schlechte Impf-Chargen. „Es ist keine schöne Situation für alle Beteiligten“, sagt er. Die Quarantäne im Tierschutz sei nicht immer gewährleistet. Viele Tiere würden in einem Raum gehalten, was Stress bedeute, weil ihnen der Freilauf fehle. Ständig kämen neue Tiere aus unbekannter Herkunft hinzu, was den Infektionsdruck erhöhe.

Man wisse nicht, was in den Tieren stecke. Inzucht sowie Stress durch Einfangen, Transport und Quarantäne könnten eine Rolle spielen. Die Kitten würden zwar vor der Impfung untersucht, doch bei wilden Katzen, die schwer händelbar sind, sei die Untersuchung eingeschränkt möglich. Die Wirkung der Impfungen schätzt Nadler als zuverlässig ein.

Zweiter Tierarzt warnt vor scheinbar gesunden Tieren

Dr. Frank Dieffenbacher, bis vor drei Jahren behandelnder Arzt im Katzenparadies und nun unter anderem für die Tierheime Neustrelitz und Neubrandenburg zuständig, betont: „Oft sehen die Tiere äußerlich gesund aus, sind es aber nicht.“ Vor der Impfung erfolgten eine klinische Untersuchung sowie eine Kot- und Virusprobe. Seien diese unauffällig, könnten die Jungtiere geimpft werden. Bei Tierschutzorganisationen träfen viele Tiere aufeinander, was Probleme potenziere.

Die Mitarbeiter des Katzenparadieses führen Schnelltests durch, die oft in alle Richtungen ausschlügen. Nachgewiesen würden unter anderem das feline Parvovirus und Giardien – nicht selten tödliche Magen-Darm-Erkrankungen – sowie das Calicivirus. Aufwendige Feliserin-Kuren und tägliche Arztbesuche seien nötig. „Drei haben wir bis jetzt verloren und vier sind auf dem Weg der Besserung“, sagt Jeschke.