Andreas Walter ist mit seinem selbst restaurierten Lanz Bulldog aus dem Jahr 1954 von Altlandsberg nach Grambin am Stettiner Haff gefahren. Der 61-Jährige ist bereits zum fünften Mal Gast auf dem Campingplatz in Grambin, diesmal nach einem Jahr Pause. Sein Gespann besteht aus dem historischen Trecker und einem selbst gezimmerten Wohnanhänger.
Der Sound des Lanz Bulldog ist unverkennbar
Der typische Klang der 10,3-Liter-Einzylinder-Zwei-Takt-Maschine ist schon von weitem zu hören, bevor man den Trecker sieht. Oft scharen sich Menschen um das Fahrzeug, um Fotos zu machen. „Für mich ist es eine Reise zum Herunterkommen, der ganze Arbeitsstress fällt von mir ab, und die Leute freuen sich in der Regel, wenn sie mich kommen und vorbeifahren sehen“, sagt Walter.
Die Fahrt von Altlandsberg führte über Strausberg, Eberswalde, Angermünde, Gramzow, Prenzlau, Pasewalk, Torgelow, Eggesin und Ueckermünde nach Grambin. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 bis 28 km/h benötigte er für die rund 170 Kilometer achteinhalb Stunden. „Als ich zu Hause losgefahren bin, war um mich herum nur Hektik, Egoismus und Frust“, berichtet der 61-Jährige. Je weiter er nach Norden kam, desto entspannter seien die Menschen geworden. „Hier winken die Leute, stehen am Zaun und freuen sich.“
Campingplatz wie zu DDR-Zeiten
Der gebürtige Strausberger schätzt den Campingpark am Oderhaff besonders. „Im Gegensatz zu anderen Campingplätzen auf Usedom, wo man aufgereiht steht wie beim Militär, ist es hier unverkrampft“, sagt er. Es sei so frei wie zu DDR-Zeiten. „Das ist einfach schön. Ich komme immer wieder hierher, weil ich mich wohlfühle. Elke und Stefan sind so gastfreundlich. Das passt einfach“, lobt Walter die Betreiber des Platzes.
Auch in Mönkebude erregte der Lanz Bulldog Aufsehen. Vor dem Gasthof „Goldenen Löwen“ wurden sofort Handys gezückt und Fotos gemacht. „Ich wundere mich jedes Mal, wie interessiert die Leute sind“, sagt Walter, der gern Auskunft über die Technik des historischen Fahrzeugs gibt.
Der Start dauert eine Viertelstunde
Das Starten des Lanz Bulldog erfordert Geduld: Zunächst muss der Glühkopf mit einem Brenner etwa zehn bis 15 Minuten vorgeglüht werden. Danach wird der Motor mit dem hölzernen Lenkrad angelassen, das auf die Kurbelwelle gesteckt wird. „Das kann gefährlich sein, wenn man nicht weiß, was man tut“, erläutert Walter. Der Kolben des Einzylinders ist so groß wie ein Eimer. Beim „Treckermann“, so sein Spitzname, klappt es beim zweiten Versuch. Mit Getöse erwacht der Motor zum Leben. Nach dem Wochenende geht es auf demselben Weg zurück nach Hause.