Inge Lohmark ist eine gnadenlose Lehrerin, die es niemandem recht machen will. Ihr Porträt steht nun im Mittelpunkt des Bühnenstücks „Der Hals der Giraffe“ am Theater Neustrelitz. Die Bühnenfassung des Romans von Judith Schalansky schrieb Regisseurin Karin Herrmann, die in der vergangenen Saison bereits mit „Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat“ für ausverkaufte Säle sorgte.
Eine Lehrerin, die niemand mag
Die Protagonistin Inge Lohmark ist eine gestrenge Lehrerin, für die Biologie das Maß aller Dinge ist. Mit kühler Rationalität klassifiziert sie ihre Mitmenschen, vor allem ihre Schüler. Ihre Einschätzungen fallen keineswegs wohlwollend aus. Karin Herrmann sagt über sie: „Ich bin solchen Lehrern begegnet. Ich weiß, welche Wirkung das auf Schülerseelen hat.“
Die Erzählweise der Greifswalder Autorin Judith Schalansky habe sie fasziniert: „Ihre Art zu schreiben macht was mit mir, da gehen Bilder auf“, so die Regisseurin. Besonders „Der Hals der Giraffe“ habe beim ersten Lesen lange nachgewirkt.
Warum wird ein Mensch so?
Die kühle naturwissenschaftliche Sicht gibt der Lehrerin Halt in einer Welt voller Probleme: Die Schule ist wegen schwindender Schülerzahlen von Schließung bedroht, das Land leidet unter Wegzug, und ihre eigene Tochter lebt in Amerika. Inge Lohmark ist eine alternde, einsame Frau, die sich mit Härte behauptet.
„Jeder Mensch hat Gründe, so zu sein, wie er ist. Und jeder hat eigene Bewältigungsstrategien“, sagt Karin Herrmann. Sie will Inge Lohmark nicht als unsympathische Figur oder Feindbild darstellen. Das Stück soll Komik und Tragik mit Schwung verbinden.
Poetische Bilder und ein Ensemblestück
Schauspielerin Karin Hartmann, bekannt aus „Drei ostdeutsche Frauen“ und „Glorious!“, bringt die nötige „trockene Komik“ für die Rolle mit. Das Stück holt zudem Inges Tochter Claudia als Dialogpartnerin auf die Bühne, um Sehnsüchte, Verletzungen und Vorwürfe zu verhandeln. Insgesamt wirken sieben Mitwirkende mit.
Inges Innenwelt wird in großen poetischen Bildern sichtbar, kündigen Karin Herrmann und Bühnen- und Kostümbildnerin Linda Sollacher an. Figurenbauerin Ida Herrmann schafft Bühnenplastiken in Form überdimensionaler Pflanzen. Auch Quallen und Kraniche mischen sich in die Szenerie. Karin Herrmann vergleicht die Bilder mit Pop-up-Büchern: „Beim Öffnen geht eine Traumwelt auf - und Inge Lohmark klappt sie immer wieder zu.“
Linda Sollacher sieht in diesen Welten, wie poetisch das Empfinden der hart scheinenden Figur ist: „Sie hätte ebenfalls die Chance auf Veränderung in ihrem Leben gehabt“, sagt sie, „und sie hat sie jetzt wieder.“
Premiere und weitere Termine
„Der Hals der Giraffe“ hat am 25. September um 19.30 Uhr Premiere am Landestheater Neustrelitz. Eine Matinee gibt es am 20. September um 11 Uhr. Weitere Vorstellungen folgen am 3., 9. und 25. Oktober in Neustrelitz sowie ab dem 15. Januar im Schauspielhaus Neubrandenburg. Karten gibt es beim Theaterservice unter 03981 206400 oder auf www.tog.de.