Ines Wagner hat ihren Urlaub seit mehr als 50 Jahren auf Usedom verbracht, doch nach einer NDR-Dokumentation über die medizinische Versorgung auf der Insel will sie nicht mehr dorthin fahren. Die 58-Jährige aus Knittlingen in Baden-Württemberg ist auf schnelle ärztliche Hilfe angewiesen und fühlt sich auf der Insel nicht mehr sicher.
Kein Krankenhaus auf der Insel
Die Dokumentation zeigt, dass Usedom kein deutsches Krankenhaus besitzt. Die nächsten Kliniken liegen in Wolgast, Anklam, Greifswald und Ueckermünde. Wegen des Reise- und Pendelverkehrs sind die Zufahrten oft verstopft, und wenn die Inselbrücken für Schiffe öffnen, bleibt den Rettern häufig nur die Luftrettung. Der in Greifswald stationierte Rettungshubschrauber Christoph 47 startet deshalb bis zu achtmal am Tag zur Ostseeinsel.
Geschockt von den Bildern
Ines Wagner verbrachte schon zu DDR-Zeiten Urlaub in Ückeritz, heute bucht sie ihre Ferienwohnung meist in Bansin. Der Bericht habe ihr vor Augen geführt, in welche Gefahr sie sich begibt. „Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht“, sagt sie. Besonders eine Szene habe sie berührt: Ein Krankenwagenfahrer habe versucht, telefonisch einen Arzt zu erreichen, aber die Verbindung sei ständig abgebrochen. „Er wusste gar nicht, was er spritzen sollte. Zum Glück konnte er sich auf seine eigene Erfahrung verlassen. Aber ich denke mir, das ist gefährlich.“
Ausweichen nach Rügen
Wegen ihrer Allergien trägt Ines Wagner ein Notfallset bei sich, auch am Strand. Sie hat Angst, dass sie bei einem allergischen Schock nicht rechtzeitig Hilfe bekommt. „Wenn man nicht mehr aus dem Allergieschock herauskommt, ist man verloren“, sagt sie. Sie überlegt, künftig nach Rügen auszuweichen. „Ich glaube, ich weiche nach Rügen aus. Mir bleibt gar nichts anderes übrig.“ Sie betont, wie sehr sie die Insel liebt und dass sie in der Ostsee beerdigt werden möchte, aber sie wisse nicht, was sie tun solle. Usedom verzeichnet jedes Jahr knapp vier Millionen touristische Übernachtungen.