Jugendliche aus Neustrelitz offen über Drogenkonsum: „Es ist geil, weitergemacht“
Jugendliche offen über Drogenkonsum: „Es ist geil“

Drei Jugendliche aus Neustrelitz haben im Gespräch mit dem Nordkurier offen über ihren Drogenkonsum gesprochen. Die 15-Jährigen berichten, wann und warum sie mit Tabak, Alkohol und Cannabis begonnen haben – und warum ihnen der Ausstieg schwerfällt.

Gruppenzwang und Neugier als Einstieg

Marie* begann im Oktober 2025 regelmäßig Tabak, Marihuana und Alkohol zu konsumieren. „Ich verspürte einen indirekten Gruppenzwang durch meine Freunde, weil viele von ihnen aktiv rauchen, trinken und auch kiffen. Außerdem fand ich es geil, als ich es ausprobiert habe. Und dann habe ich einfach weitergemacht“, sagt die 15-Jährige.

Bei Paul* war der Einstieg ähnlich. „Ich habe vor zwei Jahren angefangen zu rauchen und auch zu trinken. Gekifft habe ich auch gelegentlich.“ Er begründet den Einstieg mit dem Umfeld: „Getrunken habe ich hauptsächlich auf Partys, aber auch manchmal an Nachmittagen nach der Schule.“

Familiäre Probleme und Depressionen

Emil* hat andere Beweggründe. „Ich habe in der siebten Klasse begonnen, Alkohol und Tabak zu konsumieren, weil ich familiäre Probleme hatte. Zudem litt ich unter Depressionen.“ Der Rausch habe ihm geholfen, gibt er zu.

Der Nordkurier befragte die drei Jugendlichen zu ihren Erfahrungen mit Drogen, den genutzten Substanzen und den Gründen für ihren Konsum. Dabei zeigte sich: Der Konsum ist nicht auf Ausnahmesituationen wie Partys oder Festivals beschränkt, sondern erfolgt teils ohne spezifischen Anlass.

Kein Ausstieg in Sicht

Auf die Frage, ob sie dauerhaft aufhören könnten, antworten alle drei mit Nein. „Nein, dauerhaft nicht. Weil es alles geil ist“, sagt Marie. Paul hat zumindest das Kiffen aufgegeben: „Ich habe schon mit Kiffen aufgehört. Mit dem Rest bin ich nicht in der Lage dazu.“ Emil hingegen will nicht aufhören: „Nein, weil ich zu abhängig dafür bin und es nice ist.“

Die Reflexion der eigenen Sucht fällt den Befragten schwer. Marie macht sich „ein bisschen“ Gedanken, weil sie „ein bisschen süchtig“ ist, genießt aber die Effekte des Kiffens. Emil sieht das Thema ambivalent: „Zu gewissen Teilen ja, weil es halt die Probleme, die man hat, nicht löst. Zum anderen aber eher nicht, weil ich dadurch gewissermaßen am Leben bin und es Spaß macht.“

Gesundheitliche Folgen und Hilfsangebote

Paul musste bereits gesundheitliche Konsequenzen erleben: „Auf jeden Fall, weil ich mehrere Lungenentzündungen hinter mir habe und weil der Arzt gesagt hat, wenn ich nicht bald aufhöre zu rauchen, dass meine Lunge dann vielleicht bald aufgibt oder so.“

Professionelle Hilfe bietet die Caritas in Neubrandenburg mit einer Suchtberatungsstelle an. Das Programm „Skoll“ (Selbstkontrolltraining) zielt darauf ab, das Konsumverhalten zu stabilisieren, zu reduzieren und perspektivisch ganz darauf zu verzichten. Es umfasst zehn Trainingseinheiten à 90 Minuten, die wöchentlich stattfinden. Bis zu 80 Prozent der Kursgebühren übernimmt die Krankenkasse.

Seit dem vergangenen Jahr gibt es zudem die Beratung „CariDROBS“ in Neubrandenburg und Rostock, die sich speziell an junge Menschen mit Suchtproblemen richtet. Sie entstand aus einer Online-Befragung von jungen Konsumenten, Angehörigen und Fachkräften.

Suchttherapeutin Juliane Hartmann von der Caritas beobachtet, dass viele Jugendliche die Problemlage des Drogenkonsums weniger ernst nehmen. Die Suchtberatung solle nicht unbedingt verhindern, dass Jugendliche konsumieren, sondern erste Entlastung und Ideen für die nächsten Schritte geben.

*Namen von der Redaktion geändert