Der Schriftsteller Ingo Schulze hat für seinen in Mecklenburg angesiedelten Roman „Das Wasser im August“ den Uwe-Johnson-Preis erhalten. Die Verleihung fand in der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommerns in Berlin statt. In seiner Dankesrede bezeichnete Schulze den Preis als Ermutigung, „mehr als bisher zu wagen“.
Ein Roman mit zwei Zeitebenen
Der Roman spielt nahe dem Tollensesee und verbindet zwei Zeitebenen. Ein Schriftsteller reist zu einer privaten Lesung nach Mecklenburg und trägt eine unfertige Novelle bei sich, die ins Jahr 1979 führt. Dort erlebt der 16-jährige Thomas die Hoffnungen und Widersprüche seiner Zeit auf seinem Weg zum Schriftsteller.
Die Jury des Preises, die den Roman als „artistische Konstruktion“ beschreibt, sieht in Schulze einen Autor, der wie Uwe Johnson „nicht moralisiert, keine ‚einfachen‘ Wahrheiten liefert und für den Erzählen ein Prozess der Wahrheitsfindung ist“. Der Vorsitzende der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft und Jury-Sprecher, Prof. Carsten Gansel, fasste dies zusammen. Der Roman schaffte es auf die Spiegel-Bestsellerliste und die Longlist zum Deutschen Buchpreis.
Gemeinsamkeiten mit Uwe Johnson
Laudator Prof. Friedhelm Marx von der Universität Bamberg hob die Verschränkung von Vergangenheit als eine Qualität hervor, die Schulze mit Johnson verbinde. Dazu gehörten auch die „unerbittliche Genauigkeit der Beobachtung und skrupulöse Selbstbefragung“. Der Roman bringe „einige Fäden zusammen“, die sich durch Schulzes gesamtes Werk zögen.
Schulze selbst gestaltete seine Dankesrede als Huldigung an Johnson, der „42 Jahre nach seinem Tod noch immer der aktuellste deutsche Autor“ sei. Bereits in den 80er Jahren habe er Johnsons „Mutmassungen über Jakob“ lesen können, dank „spendabler Westverwandtschaft und eines Buchhändlers in Lahr“. Dabei habe er empfunden, „dass einer auf Deutsch aus der Ferne über das Land schrieb, in dem ich lebte“.
Ostdeutsche Erfahrungen im Fokus
Stefanie Lemke, Dienststellenleiterin der Landesvertretung MV, würdigte Schulze dafür, dass er in seinen Büchern „immer wieder von Veränderungen in diesem Land“ erzähle – „nicht von oben, sondern aus dem Leben der Menschen heraus“. Sie betonte: „Gerade Erfahrungen in Ostdeutschland gehören nicht an den Rand, sie sind Teil unserer gesamtdeutschen Geschichte.“
Der Uwe-Johnson-Preis ist mit 20.000 Euro dotiert und wird von der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft gemeinsam mit dem Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg und der Berliner Kanzlei Gentz Rechtsanwälte und Notare vergeben. Die Preisverleihung ist Teil der Uwe-Johnson-Tage, die bis Ende November mit zahlreichen Veranstaltungen in Neubrandenburg, Güstrow, Neustrelitz und Berlin stattfinden. Das Programm umfasst unter anderem Lesungen mit Peggy Mädler, Christoph Links, Gert Neumann, Aram Radomski, Torsten Schulz und Uwe Tellkamp.
Schulzes Roman „Das Wasser im August“ ist im S. Fischer Verlag erschienen (320 Seiten, ISBN 978-3-10-397166-8, 26 Euro, e-Book 19,99 Euro).