Paavo Schewe hat bei der Heim-Weltmeisterschaft in Duisburg mit dem Doppelvierer Silber gewonnen. Der 21-Jährige vom SC Neubrandenburg krönte damit einen ungewöhnlichen Karriereweg: Erst im Sommer 2024 wechselte er vom Kanu- zum Rudersport – und ist nun Vizeweltmeister.
Der Wechsel: Vom Kanu zum Ruderboot
Im Sommer 2024 verabschiedete sich der damals 19-Jährige vom Kanusport. Beim SC Neubrandenburg kam er nicht mehr voran und sah keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr. Überlegungen, das Paddel ganz hinzuwerfen und sich vom Leistungssport zurückzuziehen, gehörten damals dazu.
Doch seine Trainer am SC Neubrandenburg hatten die entscheidende Idee: „Versuch es doch mal beim Rudern!“ Schewe versuchte es, vereinbarte in Rostock beim Olympischen Ruderclub ein Schnuppertraining – und war sofort überzeugt: „Das mache ich!“
Schon bei der zweiten Trainingseinheit gab es einen Crash: Als Ruderer saß er verkehrt herum im Boot und hatte das Geschehen nicht im Blick. Er krachte in ein anderes Ruderboot und verursachte einen Schaden von mehreren Tausend Euro. „Seitdem drehe ich mich viel öfter um, um zu prüfen, ob alles frei ist“, sagt Schewe mit einem Grinsen.
Der Aufstieg: Vom Neuling zum WM-Dritten
Danach ging es steil bergauf. Bereits nach wenigen Monaten wurde er in den Bundeskader berufen. „Ich bin heute noch überrascht, wie schnell das alles ging.“ Die Belastung war hoch: Während er am Sportgymnasium in Neubrandenburg sein Abitur machte, pendelte er zum Training nach Rostock.
Seit 2025 lebt und studiert der 2,03 Meter große Wassersportler in Rostock. Sein Heimtrainer Karsten Timm nennt ihn „ein außergewöhnliches Talent“. Im Vorjahr wurde Schewe für die U23-Weltmeisterschaft in Poznan nominiert und wurde mit dem Doppelvierer WM-Dritter. Den größten Unterschied zum Kanusport sieht er in der Beinarbeit: „Und genau dort sehe ich auch noch großes Potenzial, mich zu verbessern.“
Die Krönung: Vizeweltmeister bei der Heim-WM
Im zweiten Jahr wurde es noch besser: Nach Medaillen bei der Deutschen Meisterschaft stand die Heim-WM in Duisburg an. „Das war dann schon etwas anderes. Ich war nicht mehr der Neuling. Familie und Freunde waren dort und der Druck sowie mein eigener Anspruch waren schon um einiges höher als noch im Jahr davor“, so Schewe.
Im Doppelvierer reichte es am Ende zum Vizeweltmeistertitel, nur die Briten waren stärker. „Mein größter Erfolg bislang, keine Frage.“ Nach der WM ist die Wettkampfsaison beendet, jetzt wird durchgeatmet.
Wie es weitergeht, will Schewe in den kommenden Monaten mit seinem Trainer entscheiden. Optionen sind die U23 oder der A-Kader. „Das werde ich mir reichlich überlegen und mit meinem Trainer besprechen.“ Sicher ist: Dem Rudersport bleibt er treu – die Entscheidung von 2024 wird er wohl nie bereuen.