Buch über Demminer Zuckerfabrik: Geschichte bis 1964, DDR-Zeit fehlt
Zuckerfabrik Demmin: Buch präsentiert, DDR-Zeit fehlt (18.08.2026)

Vierzig Besucher verfolgten in der Demminer Hanse-Bibliothek die Präsentation des Buches „Zucker aus Vorpommern – Geschichte der Demminer Zuckerfabrik“. Autor David Krüger hatte das Archiv der ehemaligen Fabrik durchgearbeitet und Texte, technische Beschreibungen und Fotos zusammengetragen.

Ein Werk über 372 Seiten

„Ich habe ein kleines Buch mitgebracht, es umfasst 372 Seiten und etliche schwarz-weiß Fotos“, erklärte David Krüger. „Nach der Stilllegung der Fabrik 1991 wurde das Archiv sichergestellt, so dass wir ein wichtiges Kapitel der Heimatgeschichte aufarbeiten konnten.“ Krüger dankte Dr. Kathrin Werner und Dr. Axel Wendelberger für ihre Unterstützung.

Viele Gäste hatten selbst in der Zuckerfabrik gearbeitet oder kannten das Werk durch Freunde und Verwandte. Ihr Interesse galt vor allem der Entwicklung und Arbeitsweise zu DDR-Zeiten. Doch gerade diese Epoche blieb unberücksichtigt, weil entsprechende Archivunterlagen fehlen.

Archiv endet 1964

„Vom heutigen Anklamer Eigentümer wurde uns nur das vollständige Archiv das bis 1964, als Demmin ein Bestandteil des damaligen VEB Zuckerüben Fritz Reuter Anklam wurde, überreicht“, so Krüger. Trotzdem gelang es ihm, die Zuhörer mitzunehmen.

Der Autor gab einen anschaulichen Rückblick auf die Anfangszeit, als Demminer Kaufleute die Aktiengesellschaft gründeten und sie zu einer rentablen Produktionsstätte machten. Nach der Inbetriebnahme im Oktober 1884 spielten der Schiffsanleger, der Baufortschritt bei Produktionsräumen und Nebengebäuden, die Direktorenvilla, der Eisenbahnanschluss, eine Verkaufsboutique und die Plumpsklos eine wichtige Rolle.

Von der Industrieoase zur Stilllegung

Die Zuckerfabrik entwickelte sich im ländlichen Raum zu einer Industrieoase. Der Großbrand im Januar 1911 richtete erheblichen Schaden an, der Wiederaufbau erfolgte in Rekordzeit. Ein Fischsterben im Herbst 1913 durch in die Peene geleitetes Abwasser wurde ernst genommen und mit den Fischereien bekämpft.

Im Zweiten Weltkrieg mussten Kriegsgefangene die Zuckerproduktion aufrechterhalten. Das Gelände blieb weitgehend unversehrt und wurde nach Kriegsende unter treuhänderische Verwaltung gestellt – das Ende der Aktiengesellschaft. Im März 1947 wurde die Fabrik landeseigener Betrieb, nach der DDR-Gründung Volkseigener Betrieb. 1964 erfolgte die Übernahme in den VEB Fritz Reuter Anklam. Die letzte Kampagne lief im Herbst und Winter 1990/91, am 31. Mai 1991 wurde die Produktionsstätte stillgelegt.

Über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wurden die Maschinen demontiert und Gebäude abgerissen. Dank David Krüger und des Heimatvereins bleibt die Erinnerung an die Zeit erhalten, in der Fleiß und Arbeitswille gefragt waren. Das Buch ist demnächst beim Heimatverein erhältlich.