In Pudagla auf der Insel Usedom haben die Bautätigkeiten eines Bibers in diesem Juli zweimal zu Feuerwehreinsätzen geführt. An zwei Stellen drohte ein Deichbruch am Achterwasser. Bürgermeister Hartmut Poeck, der zugleich Wehrführer ist, warnt vor den Folgen: „Wir haben einige Gehöfte, die bei Überflutung betroffen wären.“ Auch das Grünfutter hinter dem Deich wäre unbrauchbar, die Ernte futsch.
Schnelle Reaktion der Feuerwehr
Nach der Entdeckung des ersten großen Loches waren die Freiwilligen bis in die Nacht mit dem notdürftigen Verstopfen beschäftigt. Danach kam das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Vorpommern (StALU) ins Spiel. Larissa Schulze, zuständig für die Bestandsanlagen des Hochwasser- und Küstenschutzes, erklärt: „Wir haben dann bei der fachgerechten Reparatur geholfen und die Funktionsfähigkeit des Deiches wieder hergestellt.“
Deiche aus DDR-Bestand
Der Deich an der Achterwasserküste von Pudagla stammt noch aus der DDR oder ist sogar älter. StALU-Amtsleiter Matthias Wolters aus Stralsund sagt: „Aber noch halten sie die Wasserstände.“ Zwei Wochen später steht auch er vor dem zweiten Biberloch. Ein Bagger wartet, kontrolliert wird, ob der Biber die Höhle verlassen hat. Wolters dankt dem Bürgermeister: „Es ist gut, dass die Pudaglaer Feuerwehr so beherzt reagiert hat!“
Keine Früherkennung möglich
Hartmut Poeck fragt nach einer Früherkennung. Wolters verneint: Wie alle Deiche werde dieser nach jeder Sturmflutsaison aus der Luft mit einem Laserscanning geprüft. Schnelle Veränderungen seien nicht immer erfassbar. Darum sei das Zusammenspiel mit Beobachtern vor Ort so wichtig.
Küstenschutz auch fürs Hinterland
Wolters betont die wichtige Funktion der kleinen Hochwasserschutzanlagen im Hinterland: „Das Wasser an der Binnenküste kommt und steigt schleichend, aber es sorgt genauso für Überschwemmungsgefahr wie das an den Außendeichen.“ Neben den komplexen Außenschutzsystemen müssten auch Anlagen instandgehalten werden, die die Küsten vor Sandabtrag schützen. Der Bund stellt Mecklenburg-Vorpommern jährlich 20 Millionen Euro für Erhalt und Ausbau bereit – eine auskömmliche Größenordnung, so Wolters.
Herausforderungen wachsen
Durch engere Bebauung und den steigenden Meeresspiegel müssten die Anlagen anders dimensioniert werden: „Da müssen wir unsere Küstenschutzanlagen einfach anders dimensionieren für die Zukunft.“