Kinderheim-Pläne im Hotel Zur Burg: Diskussion geht weiter
Kinderheim-Pläne im Hotel Zur Burg: Diskussion geht weiter

Der Rathaussaal in Burg Stargard war am Donnerstagabend ungewöhnlich voll: Geschätzte 40 Besucher verfolgten die Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie es mit dem seit wenigen Tagen stillgelegten Hotel Zur Burg weitergeht und ob dort ein Kinderheim einzieht.

Pläne für 17 Kinder und 52 Mitarbeiter

Sandra Rossnagel vom Ambulanten Intensivpflegedienst „Der Kleine Prinz“ erläuterte, dass 17 Mädchen und Jungen im Alter von sechs bis zwölf Jahren zum Jahresende nach Burg Stargard umziehen sollen. Sie wohnen seit zwei Jahren in Quadenschönfeld. Der Betreuungsschlüssel liege je nach Kind zwischen eins zu eins und eins zu neun, insgesamt würden sich 52 Mitarbeiter in Schichten abwechseln.

Jedes Kind soll ein eigenes Zimmer erhalten. Drei weitere Zimmer sind unter anderem als Snoezelraum zur Entspannung vorgesehen. Eine Erhöhung der Kinderzahl sei nicht geplant.

Mountainbike-Strecke und Parkplätze geplant

Zur Einrichtung gehören zwei Busse und fünf Pkw, die dauerhaft in Burg Stargard stationiert werden sollen. Auf dem 700 Quadratmeter großen Hof des Hauses an der Ortsdurchfahrt und am Marktplatz ist unter anderem eine künstliche Mountainbike-Strecke geplant.

Einige Ausschussmitglieder und Gäste äußerten Bedenken: Das Gebäude sei zwar als Wohnhaus für mehrere Kinder geeignet, das Umfeld mit wenig Platz und Grün könne aber kaum den Bedürfnissen so vieler Kinder gerecht werden. Rossnagel konnte diese Bedenken nicht zerstreuen. Nach der Kündigung des Mietvertrags in Quadenschönfeld im Mai habe sie ein neues Objekt gesucht. Die Nachfrage nach passenden Immobilien für verhaltensauffällige Kinder sei bundesweit groß. „Das Thema brennt in ganz Deutschland.“

Im Vergleich zu anderen Varianten sei das Hotel „noch die optimalste“. „Für den Moment ist es ausreichend.“ Sie wolle das Beste daraus machen, eine andere Möglichkeit sehe sie nicht.

Begriff „schwer erziehbar“ kritisiert

Rossnagel, Fachkrankenschwester für Intensiv- und Anästhesiepflege, verwahrte sich gegen die Bezeichnung „schwer erziehbar“ für ihre Schützlinge. Der Begriff sei veraltet und stamme aus DDR-Zeiten.

Die Frage nach dem Kündigungsgrund in Quadenschönfeld beantwortete sie mit Verweis auf ein laufendes Verfahren nicht. Gerüchte über Vandalismus und Schäden am Gebäude wies sie zurück: „Sicherlich haben die Kinder mal Impulsdurchbrüche, aber wenn überhaupt, dann haben sie ihre eigenen Sachen kaputt gemacht.“

Bürgermeister sieht keine Handhabe

Bürgermeister Tilo Lorenz (CDU) hätte lieber eine Nutzung als Gaststätte oder eine andere Einrichtung mit Mehrwert für Einwohner und Gäste gesehen. Er habe alle rechtlichen Möglichkeiten geprüft, sehe aber keine Handhabe. „Es gibt keinen Bebauungsplan, in dem die Nutzung festgelegt ist.“ Eine Veränderungssperre sei im Sanierungsgebiet ausgeschlossen.

Hotel-Geschäftsführer Erik Lange, der den Gästebetrieb eingestellt hat, erklärte: „Das war in den vergangenen zwei Jahren ein absolutes Minusgeschäft. Ich hätte mich gefreut, wenn bei mir mal so ein Andrang gewesen wäre wie heute hier.“

Die rund einstündige Diskussion diente der Meinungsbildung, eine Beschlussfassung war nicht vorgesehen. Deutlich wurde, dass niemand etwas gegen Kinder hat, der Standort in der City jedoch von vielen als ungeeignet empfunden wird. Viele Fragen bleiben offen, der Gesprächsbedarf ist weiterhin groß.