Rund 20 Menschen verbringen die Nacht zu Freitag weiterhin in der Sporthalle in der Parchimer Weststadt, die als Notunterkunft dient. Das teilte Bürgermeister Dirk Flörke am Nachmittag mit. Die meisten anderen evakuierten Bewohner konnten entweder in ihre Wohnungen zurückkehren oder bei Familie und Freunden unterkommen.
Sieben Hausfluren betroffen
In der Nacht zu Donnerstag war gegen 23.30 Uhr in zwei Wohnblöcken in der Walter-Hase-Straße ein Feuer ausgebrochen. Über 100 Mieter wurden evakuiert. Nach Angaben von Wehrführer Maik Kostecki brannte es in insgesamt sieben Hausfluren. Vier der Aufgänge konnten inzwischen wieder freigegeben werden, ein weiterer soll bald folgen. Bei den übrigen beiden Aufgängen müssen die Untersuchungen der Brandermittler und Statiker abgewartet werden.
Am Nachmittag war die Stimmung in der Weststadt gedrückt. Vor zwei Haustüren wehte rot-weißes Flatterband, alle Fenster der beiden Treppenhäuser waren offen. Ein intensiver Brandgeruch lag fast 24 Stunden nach den Bränden in der Luft. Einige Polizeibeamte waren vor Ort. Nahe der Notunterkunft schallte laute Musik aus den Boxen, während vor der Halle Security darauf achtete, wer hinein- und hinausging.
Neue Informationen von der Stadt
Gegen 16.30 Uhr informierten Bürgermeister Dirk Flörke, das Ordnungsamt der Stadt und der Wehrleiter der Feuerwehr über den aktuellen Stand. Die Notunterkunft werde auf alle Fälle bis einschließlich Montag weiterbetrieben, sagte Flörke. Man schaue aber von Tag zu Tag, wie sich die Lage an den betroffenen Blocks entwickle, stets im Austausch mit der Polizei und den Brandermittlern.
Einige Anwohner der noch gesperrten Aufgänge durften nur kurz und nur unter Atemschutz in Begleitung der Einsatzkräfte in ihre Wohnungen, um beispielsweise Medikamente zu holen. Manche Menschen hatten in der Nacht nur leichte Kleidung an, einzelne trugen nicht einmal Socken.
Dankbarkeit in der Notunterkunft
Bei seinem Besuch in der Notunterkunft zeigten sich die Menschen dankbar, so Flörke. Sie hatten dort die Möglichkeit, sanitäre Anlagen zu nutzen, zu essen und zur Ruhe zu kommen. Die Umkleidekabinen dienten als Rückzugsort für Familien. Der DRK-Sanitäts- und Betreuungszug des Landkreises kümmerte sich um die Verpflegung.
Eine Bewohnerin eines benachbarten Blocks, der nicht evakuiert wurde, berichtete, sie sei in der Nacht vom Martinshorn geweckt worden. „Ich kam mir vor wie in einer Großstadt, so viel Blaulicht habe ich noch nicht gesehen. An Schlaf war in der Nacht nicht zu denken“, sagte die Frau. „Als ich gehört habe, dass die Polizei wegen des Verdachts der Brandstiftung ermittelt, hatte ich ein sehr bedrückendes Gefühl.“
Dank an Helfer und Einsatzkräfte
Bürgermeister Flörke sprach allen Helfern und Einsatzkräften seinen tiefsten Dank aus. Die Kameraden der Feuerwehr aus Parchim, Lübz, Gruß Godems, Ruhner Berge und Neustadt-Glewe hätten sehr professionell gearbeitet und das Feuer löschen können. Auch dem Roten Kreuz, der Polizei, der Wobau Parchim, dem Ordnungsamt, den Kollegen der Stadtverwaltung und dem Landkreis, der seine Hilfe angeboten habe, dankte er.
Flörke hoffe, dass bald wieder Normalität für die Menschen einkehre, die die Leidtragenden der Ereignisse der Nacht zu Donnerstag seien.