Nach fast 30 Jahren an der Spitze der Helios Klinik Leezen ist Prof. Dr. Bernd Frank in den Ruhestand verabschiedet worden. Der Neurologe machte die Einrichtung zum bundesweit größten Zentrum für interdisziplinäre Frührehabilitation.
Unkonventionelle Verhandlungen mit Krankenkassen
Typisch für Frank waren unkonventionelle Methoden in Verhandlungen mit Krankenkassen: Wenn er nicht weiterkam, zog er Fotos von offenen Druckgeschwüren hervor, mit denen Patienten in seine Klinik eingeliefert worden waren. Ein Mittel, das wirkte – von den Kassenvertretern hieß es irgendwann: „Lassen Sie stecken, Professor Frank, wir haben verstanden...“
Viele empfanden den Chef der Helios Klinik Leezen als unkonventionell und manchmal ungemütlich, mussten aber einräumen, dass er ungeheuer erfolgreich war. Ungewöhnlich war bereits seine Doppelfunktion als Geschäftsführer und Ärztlicher Geschäftsführer.
Vom Neuanfang 1997 zum größten Zentrum Deutschlands
Als Frank am 1. Juli 1997 in Leezen anfing, wusste er zunächst nicht, was ihm passiert war. Er hatte eine gesicherte Position in einer Frühreha-Klinik in Nordrhein-Westfalen, als der damalige CEO der Wittgensteiner Kliniken AG ihn fragte, ob er nicht nach Leezen bei Schwerin wolle, wo der Chefarzt gerade geflüchtet sei. Erst später begriff er, dass auch der Geschäftsführer nicht mehr da war.
Damals gab es 60 Mitarbeiter und 80 Betten, in denen überwiegend orthopädische Patienten lagen. Frank setzte auf eine spezialisierte Frührehabilitation, wie es sie damals noch nicht gab. Ziel war, schwerstkranke Menschen von Intensivstationen zu holen und sie wieder fit für ein möglichst selbstständiges Leben zu machen. Zehn Jahre dauerte es, bis die Klinik in den Landes-Krankenhausplan aufgenommen wurde – vorerst mit 100 Betten, die schon damals nicht ausreichten.
Würdigung und Abschied mit stehenden Ovationen
Heute ist die Helios Klinik Leezen mit 550 Mitarbeitern und 203 akut-stationären Betten das größte Zentrum für interdisziplinäre Frührehabilitation (Phase B) in Deutschland. Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) würdigte die Klinik als „Leuchtturm der Gesundheitsversorgung, der weit über Mecklenburg-Vorpommern hinaus strahlt“.
Franzel Simon, viele Jahre in Leitungsfunktionen der Helios Region Nord tätig, betonte, Professor Frank habe „mit Leidenschaft, Beharrlichkeit und Überzeugung für seine Patienten und seine Kollegen gekämpft“. Er habe ihn regelrecht zwingen müssen, Urlaub zu machen, und ihn im Urlaub daran erinnern müssen, nicht in der Klinik nach dem Rechten zu sehen. Pflegedienstleiterin Marina Berg sagte stellvertretend für das Team: „Nie haben Sie uns Ihre Sorgen spüren lassen. Sie waren für uns Mitarbeiter immer ansprechbar.“ Projekte wie der Shuttle-Service für Mitarbeiter und der Leezener Weihnachtsmarkt seien aus Gesprächen mit ihm hervorgegangen. Seine regelmäßige Frage „Gibt's was?“ sei nie eine Phrase gewesen. Zum Abschied gab es stehenden Applaus für den scheidenden Chef.