„Der Osten rollt“: Fünf Kumpels knattern mit Simson alte DDR-Grenze entlang
„Der Osten rollt“: Simson-Tour entlang der alten DDR-Grenze

Fünf Mitglieder des Demminer Simson-Clubs „Der Osten rollt“ haben die ehemalige innerdeutsche Grenze von Süd nach Nord abgefahren. Rund 1900 Kilometer legten sie dabei zurück. Die Tour führte vom Dreiländereck Bayern-Sachsen-Tschechien bis nach Lübeck-Schlutup und endete in Travemünde.

Club mit langer Tradition

Der Demminer Simson-Club hat acht Mitglieder und wurde 2001 gegründet. Die Gruppe trifft sich regelmäßig in ihrem Vereinsheim. „Dort bauen und basteln wir, neben unserem geselligen Beisammensein, an unseren Simsons“, erklärt Christian Graf. „Jeder ist für sich und den anderen da.“

Ein- bis zweimal im Monat erfolgt ein Ausflug in die Umgebung. Häufig werden Städte wie Altentreptow und Loitz angesteuert. Zudem ist „Der Osten rollt“ mit dem Trabi-Buggy Club 93 in Anklam befreundet. „Einmal im Jahr fahren wir zum Campen mit unserer Familie los“, berichtet Christian Graf weiter. „Wir sind im Club richtig gute Freunde.“

Technische Pannen unterwegs

Am 1. Mai kamen die Mitglieder beim Oldtimertreffen in Altentreptow auf die Idee, die deutsch-deutsche Grenze entlangzufahren. „Es folgte noch ein geselliger Abend in unserem Vereinsraum, wo wir gemeinsam die Tour beschlossen“, sagt Steffen Müller. „Und dann starteten wir zu fünft am 26. Juni von unserem Vereinshaus in Demmin.“

Auf der Fahrt zum Startpunkt gab es technische Probleme. Lars Spranger verlor neun Speichen an seinem Hinterrad. „Jeder von uns spendete eine Speiche“, schildert Christian Graf, „die wir bei ihm einbauten.“ Später platzte ein Hinterreifen. Die Gruppe rief die Simson-Werkstatt H. Pfeiffer in Aschersleben an. „Der Simson-Mechaniker öffnete um 23 Uhr noch einmal seinen Laden mit einer großen Auswahl an Ersatzteilen und verkaufte uns nicht nur den Reifen, sondern auch die Speichen“, freut sich Steffen Müller. „Ich habe festgestellt, auch in der heutigen Zeit gibt es noch hilfsbereite Menschen, die einem bei Problemen helfen. Der Simson-Mechaniker war auf unserer Tour einer von ihnen.“

Alte Mopeds, heiße Tage

Die Simsons der fünf Freunde sind teils über 40 Jahre alt. Die Schwalbe von Steffen Müller wurde vor 44 Jahren gebaut, die Simson von Christian Graf ist Baujahr 1972. Am Startpunkt Probstzella besichtigten sie den Grenzbahnhof und anschließend Mödlareuth das Deutsch-Deutsche Museum. Nach etwa 90 Kilometern erreichten sie Bad Lobenstein als erstes Etappenziel. „Unser Nachtlager schlugen wir statt um 20 Uhr erst gegen 1 Uhr nachts auf“, berichtet Christian Graf. „Dazu war es am Tage sehr heiß, es waren bis zu 38 Grad.“

Christian Gau wog sich mit seiner Simson aus dem Jahr 1972 samt Gepäck. „Es waren 200 Kilogramm“, staunt der Tourteilnehmer. „Da sieht man, was der Motor alles so leisten muss.“

Durch Harz und Wendland bis an die Ostsee

Die Strecke führte durch den Harz, wo sie sich in Braunlage mit den Mopeds die Berge hochquälten und entspannter auf der anderen Seite wieder herunterfuhren. Sie wechselten immer wieder die früheren Staatsgebiete. „Über Ilsenburg erreichten wir dann Schnackenburg“, sagt Christian Graf. „Dort sahen wir uns die Grenzgedenkstätte und die Elbgrenze an.“ Von dort ging es über Gartow nach Lenzen und über Dömitz weiter.

Zwei Tage später folgte die letzte Etappe mit 60 Kilometern, die zugleich die kürzeste war. Am Ende erreichten sie Lübeck-Schlutup. Warum sie so an den alten DDR-Mopeds hängen, erklärt Sven-Uwe Wolter: „Wir fahren, neben neuen Autos, auch privat Ostautos. Das Interesse ist bei mir in den vergangenen Jahren gewachsen, weil wir als Kinder durch unsere Eltern mit den Fahrzeugen in Berührung kamen.“

Steffen Müller fügt hinzu, dass die Gruppe auf der Tour auch einen Abstecher nach Eisenach gemacht hat, wo sie das Wartburg-Museum besichtigten. Alle sind sich einig: Auch im nächsten Jahr wird es wieder eine Tour geben. „Aber auf jeden Fall wird es eine Tour geben“, versichert Christian Graf und sagt mit Nachdruck: „Der Osten rollt.“