Beim Jahresempfang des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte in Friedland hat Landrat Thomas Müller zusammen mit Kreistagspräsident Thomas Diener fünf Einwohner für ihr jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement geehrt. Die Veranstaltung fand im Friedländer Volkshaus statt, das demnächst für umfassende Modernisierungsarbeiten schließt. Vier Männer und eine Frau wurden für ihren Einsatz in Vereinen, Kommunalpolitik und auf gesellschaftlicher Ebene gewürdigt.
Heimspiel für Edeltraud Rux
Besondere Aufmerksamkeit erhielt die 89-jährige Edeltraud Rux aus Friedland, die stehende Ovationen bekam. Sie war nach dem Krieg aus Westpreußen geflüchtet, kam mit ihren Eltern und drei Geschwistern im nahe Penzlin gelegenen Siehdichum an und zog später mit ihrem Mann nach Friedland. Jahrzehntelang engagierte sie sich für Heimatvertriebene, auch nachdem sich der entsprechende Verein in der Kleinstadt auflösen musste. Die stellvertretende Stadtpräsidentin Birgit Schmidt würdigte, dass dank Rux in Friedland ein Denkmal an die Opfer von Krieg, Gewalt, Flucht und Vertreibung erinnert.
Die anderen vier Geehrten haben sich vor allem in der Kommunalpolitik verdient gemacht. Claus Weber aus Carpin (Amt Neustrelitz-Land) und Johannes Güssmer aus Jabel (Amt Seenlandschaft Waren) sind derzeit noch Bürgermeister ihrer Gemeinden. Heiko Kruse hatte dieses Amt in Wustrow (Amt Mecklenburgische Kleinseenplatte) 15 Jahre lang inne. Allen drei wurde bescheinigt, dass sie mit großem persönlichem Einsatz, pragmatisch und stets ansprechbar agieren.
Lob für den „Vater“ der Badewannenregatta
Bei Hans-Dieter Richter aus Röbel brauchte Bürgermeister Matthias Radtke fast zehn Minuten, um dessen Bedeutung für die Stadt an der Müritz zu würdigen. Richter, in der Stadt nur „HDR“ genannt, habe als Schulleiter und Kommunalpolitiker große Fußstapfen hinterlassen. Radtke bezeichnete ihn als „Vater“ der Badewannenregatta, die jährlich Einheimische und Touristen anzieht. Der Bürgermeister erinnerte auch daran, dass Richter ihn als Sportlehrer unterrichtet und beim Hüftaufschwung mit dem Fuß umgehauen habe.
Bilanz und Ausblick
Landrat Thomas Müller (CDU), der vor knapp einem Jahr sein Amt angetreten hatte, zog Bilanz: Trotz Schwierigkeiten sei viel erreicht worden, etwa in den Bereichen Schulen, Rettungswesen und öffentlicher Nahverkehr. Er lobte zudem das Engagement der Feuerwehrleute bei der Bekämpfung zweier großer Waldbrände vor wenigen Wochen. Müller verwies auf die Herausforderungen bei der finanziellen Ausstattung der Kommunen, die nicht nur Ostdeutschland betreffe, sondern die gesamte kommunale Familie in Deutschland.
Müller erinnerte an die Kreisgebietsreform vor 15 Jahren, die den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte als größten Landkreis Deutschlands entstehen ließ. Trotz Schwierigkeiten seien Netzwerke entstanden, Strukturen aufgebaut und Mehrwerte geschaffen worden. Die Einwohner seien im Landkreis angekommen und fühlten sich wohl. Er räumte aber auch ein, dass die Größe des ländlich geprägten Kreises Verwaltungs- und Infrastrukturaufgaben erschwere, etwa bei der Kreisverwaltung, im Straßenwesen oder beim Ausbau des Rettungsdienstes.
Kreistagspräsident Thomas Diener, der nach seinem Wechsel zur AfD-Fraktion im Schweriner Landtag im Kreistag von seiner Ex-Partei CDU und weiteren Fraktionen kritisiert wird, betonte die gewachsene Identität des Landkreises. Er kündigte an, dass künftig vor jedem Gebäude der Kreisverwaltung die Flagge des Landkreises wehen soll. Dafür müssten allerdings noch einige Fahnenmasten gebaut werden.