Kapelle Kobrow entwidmet: Kirchenhäuser im Wandel
Kapelle Kobrow entwidmet: Kirchenhäuser im Wandel

Am 30. August entwidmet Landesbischof Tilman Jeremias die Friedhofskapelle in Kobrow bei Sternberg in einem letzten Gottesdienst. „Niemand erwartet, dass die in den 1970er Jahren errichtete Kapelle wieder saniert wird“, ließ Christian Meyer, Sprecher des Kirchenkreises Mecklenburg, wissen. Gottesdienste und Trauerfeiern werden für Kobrower gut erreichbar anderswo abgedeckt, heißt es.

Entwidmung als Ausnahme

Erhalt und Pflege der rund 664 Kirchen und Kapellen in Mecklenburg bedeuten eine gewaltige Aufgabe. Entwidmungen seien daher eine absolute Ausnahme und sind meist das Ergebnis langwieriger und oft schmerzhafter Entscheidungsprozesse. In den vergangenen Jahren gab es keine Aufgabe von Kirchen, wohl aber von kleinen, oft baufälligen Kapellen oder Gemeinderäumen, so Christian Meyer.

Vor zwei Jahren beispielsweise wurden das Schweriner Bernohaus und die Arche Bad Kleinen für eine kirchliche Nutzung aufgegeben. Gestiegene Mietkosten und die geringer werdende Zahl von Teilnehmenden an den Veranstaltungen führten neben den Anforderungen an eine nachhaltige Gebäudewirtschaft zu dem Entschluss, das Bernohaus aufzugeben.

In der Arche Bad Kleinen wurden erhebliche Baumängel festgestellt, die eine sehr kostenintensive Sanierung zur Folge haben. Das benötigte Geld war von der Kirchengemeinde nicht aufzubringen. Die Nutzung der Arche verringerte sich zusehends, begründet Christian Meyer diese Entscheidungen.

Kapelle als Kunstatelier

Aufgegeben und als Kunstatelier genutzt wurde vor einigen Jahren die Kapelle Boitin-Resdorf in Nordwestmecklenburg. Das Gebäude wurde in den 1950ern als kirchliches Zentrum für die umliegenden Dörfer gebaut. Aus mancherlei Gründen sei das Konzept nicht aufgegangen, seit 2000 wurden kaum noch Gottesdienste hier gefeiert. Jedoch nutzten verschiedene Künstler auf Mietbasis die Kapelle. Sie wurde veräußert und wird weiter als Atelier genutzt.

Auch Pfarrhäuser werden heute vielfach anders genutzt. Etwa 300 dieser urigen alten Häuser gibt es im Mecklenburgischen Kirchenkreis. Doch mit der zunehmenden Säkularisierung und Reduzierung von Pfarrstellen werden immer weniger von ihnen als Pfarrsitz gebraucht. Leerstand ist teuer, Instandhaltung auch. Christian Meyer zufolge dienen mittlerweile weniger als die Hälfte aller Pfarrhäuser in Mecklenburg als Wohnort für eine Pfarrperson.

Fast alle der bewohnten Häuser werden für die Gemeindearbeit genutzt. Das Pfarrhaus Boddin bei Gnoien wird zu einem Begegnungszentrum ausgebaut, das sowohl von der Kirche als auch von der kommunalen Gemeinde genutzt werden kann. Das Pfarrhaus Marlow bietet als Pilgerstätte ein Gruppenquartier für Kinder und Jugendliche mit bis zu 24 Plätzen. Das Pfarrhaus in Kuppentin bei Goldberg wurde liebevoll zum Dorfkirchenmuseum umgebaut.

Vermietung und Verkauf

Wird eine Dienstwohnung im Pfarrhaus nicht mehr benötigt, wird sie vermietet, erklärt Meyer. Ein Verkauf oder eine Umnutzung des ganzen Hauses komme dann infrage, wenn auch die Gemeinderäume nicht mehr benötigt würden.

Einige sind veräußert und werden unterschiedlich genutzt: als private Häuser, wie das schöne Pfarrhaus Basse oder das barocke alte Pfarrhaus Nehringen bei Gnoien. Andere sind Werkstatt und Atelier von Künstlern, wie zum Beispiel die Häuser in Altkalen bei Teterow oder Qualitz bei Güstrow.

Einen Urlaub im „old priesthouse“, dem Recknitzer Pfarrhaus bei Güstrow, bietet der Holländer Auke Dijkstra auf der internationalen Buchungsplattform AirBnb an: Es lade ein „mit seinem alten Charme, dem erhaltenen Fachwerk, hohen Decken und alten Fußböden.“ Auch in Spornitz bei Parchim kann man in einer Pfarrwohnung Urlaub machen.

Kostspielige Sanierungen

Um einen Überblick darüber zu bekommen, was baulich an den mecklenburgischen Pfarrhäusern zu tun sei, hatte der Kirchenkreis vor rund zehn Jahren eine Pfarr-Gemeinde-Haus-Planung gestartet, erklärt Meyer. Rund zehn Prozent aller Pfarrwohnungen, die noch als Dienstsitz vorgesehen sind, werden derzeit instandgesetzt oder modernisiert. Vor allem energetisch müssten viele Pfarrhäuser saniert werden, erklärt der Kirchensprecher. Eine kostspielige Sache, da sie fast alle unter Denkmalschutz stehen, eine Sanierung also bautechnisch oft schwierig ist. Pro Pfarrhaus sei im Schnitt mit 800 000 Euro bis 1,2 Millionen Euro Kosten zu rechnen. Jüngst wurde beispielsweise das Güstrower Dompfarrhaus energetisch saniert. Mit Hilfe des Fonds für Klimaschutz, der mit zehn Millionen Euro bis 2027 ausgestattet ist.